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Theodor Fontane
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Heinrich Theodor Fontane (* 30. Dezember 1819 in Neuruppin; â 20. September 1898 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Theaterkritiker. Sein im fortgeschrittenen Lebensalter einsetzendes umfangreiches Romanschaffen (darunter Frau Jenny Treibel, Effi Briest und Der Stechlin) begrĂźndete Fontanes epochale Bedeutung als Vertreter des zeitgenĂśssischen Realismus.
Mitgeprägt durch die familiären Wurzeln bei den Hugenotten in Berlin, nahm Fontane nach einer Kindheit in Neuruppin und SwinemĂźnde zunächst Kurs auf den Beruf seines Vaters und durchlief eine vollständige Ausbildung zum Apotheker. Parallel dazu entwickelte er frĂźh schon Ambitionen als Dichter und Schriftsteller, schloss sich Literaturvereinen an und machte als Balladendichter auf sich aufmerksam. Da es zum Erwerb einer eigenen Apotheke nicht kam, näherte sich der in der Märzrevolution 1848 in Berlin noch auf Seiten der Barrikadenkämpfer engagierte Fontane danach den wiedererstarkten konservativen Kräften im preuĂischen Staats- und Zeitungswesen an, nicht zuletzt um den Unterhalt fĂźr die junge Familie zu sichern. Als Regierungspressereferent und Redaktionsmitglied der Kreuzzeitung wusste er sich aber auch Freiräume zu schaffen, die es ihm ermĂśglichten, an den Wanderungen durch die Mark Brandenburg zu arbeiten und â im hĂśheren Auftrag â die deutschen Einigungskriege jeweils in grĂśĂeren Buchpublikationen zu behandeln.
Bei Vor-Ort-Recherchen in Frankreich zu Ende des Deutsch-FranzĂśsischen Kriegs wurde Fontane unter Spionage-Verdacht verhaftet und fĂźrchtete um sein Leben. Nach der Freilassung Ăźbte er fĂźr 20 Jahre die Tätigkeit als Theaterkritiker fĂźr die Vossische Zeitung aus und begann nun auch sein Romanwerk. Zu seiner Hinterlassenschaft gehĂśrt die auĂerordentlich umfängliche Briefkorrespondenz, die er mit Familie und Bekannten unterhielt. Anders als in seinem Ăśffentlichen Schreiben und Auftreten hat er dabei auch teils antijĂźdische Akzente gesetzt, die im Widerspruch stehen zu seinen oft sehr guten persĂśnlichen Beziehungen zu Juden. Fontanes Nachlass ist weit verstreut; groĂe Anteile davon besitzen das Potsdamer Theodor-Fontane-Archiv und die Staatsbibliothek zu Berlin.
Contents
⢠Lebensabend
⢠Nachlass
⢠Werke
⢠Briefe
⢠Notizbßcher
⢠Tagebßcher
⢠Theaterkritiken
⢠Editionen
⢠Gesamtausgaben
⢠Fontane Online
⢠Ehrungen
⢠Zu Lebzeiten
⢠Gedenkstätte
⢠Denkmale
⢠Gedenktafeln
⢠Veranstaltungen
⢠Verfilmungen
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Anmerkungen
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Werdegang und Wegmarken
Hugenottische Herkunft
Theodor Fontane gehĂśrte zu den Nachfahren der ersten Generation von Hugenotten, die sich im 17. Jahrhundert aufgrund des Edikts von Potsdam (1689) in Brandenburg und speziell in Berlin niedergelassen hatten. Sie standen traditionell dem Hohenzollern-Hof nahe und bekleideten dort teils auch Ămter. Einer der GroĂväter Fontanes, der Maler und Musiklehrer Pierre BarthĂŠlemy Fontane (1757â1826), war unter Friedrich Wilhelm II. Prinzenerzieher, später Kabinettssekretär und Zeichenlehrer bei von KĂśnigin Luise. Der GroĂvater mĂźtterlich war Inhaber eines Seidenwaren-GroĂhandels und als Stadtverordneter zugleich Stellvertreter des Berliner OberbĂźrgermeisters.cite-ref-1[1]
Theodors Vater Louis Henri Fontane (1796â1867), der im Januar 1819 seine Gesellenjahre mit dem Apothekerexamen âZweiter Klasseâ abgeschlossen hatte (was ihn fĂźr GroĂstädte wie Berlin disqualifizierte)cite-ref-2[2], heiratete am 24. März 1819 in der FranzĂśsischen Kirche Berlin Emilie Louise Labry, deren hugenottische Vorfahren, wie Fontane in Meine Kinderjahre berichtet,cite-ref-3[3] ebenfalls aus dem Gebiet unweit der RhonemĂźndung, etwa zwischen Toulouse und Montpellier stammten. Beide Eltern repräsentierten laut Fontane im Gesellschaftsleben den Ăźberkommenen Kolonisten-Stolz der hugenottischen RefugiĂŠs.cite-ref-4[4]
Mit einem Hochzeitsgeschenk seines Vaters zur Existenzgrßndung ausgestattet, kaufte Louis Henri sogleich die LÜwen-Apotheke in Neuruppin, in deren Obergeschoss der am 30. Dezember 1819 zur Welt gekommene Theodor seine ersten Jahre verbrachte. 1826 aber hatte Louis Henri bereits so beträchtliche Spielschulden angehäuft, dass er die Apotheke wieder verkaufen musste, zu seinem Glßck mit beträchtlichem Gewinn. Die Familie bezog eine Mietwohnung, während der Vater auf der Suche nach einer neuen gßnstigen Apotheken-Kaufgelegenheit durch die Lande reiste.cite-ref-5[5]
SwinemĂźnder Kindheit
Nach dem Erwerb der Adler-Apotheke in Swinemßnde nahm Louis Henri Fontane seinen Sohn Theodor mit in das neue Domizil, während seine Frau auf die turbulenten Entwicklungen mit einer Nervenkrise reagierte, sich in Behandlung begab und dem neuen Wohnort fßrs Erste fernblieb. Es sind hauptsächlich Beobachtungen und Erlebnisse der Zeit in Swinemßnde, die Fontane in Meine Kinderjahre zum Thema machte, nachdem er in einer mentalen Krise im 73. Lebensjahr von seinem Arzt dazu angeregt worden war, Lebenserinnerungen zu verfassen. Als sich die Familie in Swinemßnde einfand, war die Stadt gerade dabei, sich als Seebad nach dem Vorbild Brightons zu etablieren, mit Stegen von den Dßnen zum Wasser, mit Badehßtten und einem Warmbad sowie einem Spielcasino.
Die von den Dampfschiffen mitgebrachten Zeitungen im elterlichen Haushalt beschäftigen auch den zehnjährigen Theodor bereits stark. Gespannt verfolgte er u. a. die Julirevolution von 1830 in Frankreich und legte mit solcher LektĂźre die Anfänge seiner politischen und zeitgeschichtlichen Bildung.cite-ref-6[6] Beim Schwimmen, Rudern und Steuern im Wasser kam er nach eigenem Bekunden auf keinen grĂźnen Zweig, anders als bei seiner Paradedisziplin, dem Stelzenlaufen.cite-ref-7[7] Mit der erhaltenen Erziehung erklärte sich der alte Fontane vollauf zufrieden: âLegt man den Akzent auf die Menge, versteht man unter Erziehung ein fortgesetztes Aufpassen, Ermahnen und Verbessern, ein mit der Gerechtigkeitswaage beständig abgewogenes Lohnen und Strafen, so wurden wir gar nicht erzogen; versteht man aber unter Erziehung nichts weiter, als âin guter Sitte ein gutes Beispiel gebenâ und im Ăźbrigen das Bestreben, einen jungen Baum, bei kaum fĂźhlbarer Anfestigung an einen Stab, in reiner Luft, frĂśhlich und frei aufwachsen zu lassen, so wurden wir ganz wundervoll erzogen.âcite-ref-8[8]
Mit dem regulären Schulunterricht hatte der kleine Theodor in SwinemĂźnde nur kurzzeitig zu tun. Denn als die Mutter hinzukam, hielt sie den Sohn unter dem Einfluss der Schulkameraden fĂźr leicht verwahrlost und meldete ihn umgehend ab. Fortan gaben erst die Eltern und danach aushäusige Privatlehrer in âbesseren Kreisenâ Theodor Unterricht. Von dem seines Vaters, der fĂźr Latein- und FranzĂśsischvokabeln sowie fĂźr Geographie und Geschichte zuständig war, schwärmte der alte Fontane im RĂźckblick, dass er bei aller fehlenden Systematik mehr dabei gelernt habe, âals bei manchem berĂźhmten Lehrer.âcite-ref-9[9] Doch gefiel ihm anschlieĂend auch jener Hauslehrer Dr. Lau, der ihn gemeinsam mit einigen anderen Honoratiorenkindern im Hause des Kommerzienrats Krause unterrichtete. âDieser verstand es auch, einem allerlei kleine Geschichten, woran eine Kinderseele hängt, zu vermitteln, aber weil er zugleich ein geschulter Mann war, so tat er alles in Ordnung und Zusammenhang und das biĂchen RĂźckgrat, was mein Wissen hat, verdankâ ich ihm.âcite-ref-10[10]
ZurĂźck in Neuruppin
Noch zwei weitere Hauslehrer, denen er nichts abgewann, unterrichteten Fontane in Swinemßnde, bevor er als unterdessen 12-Jähriger mit seiner Mutter auf die Reise zurßck nach Neuruppin ging, um dort das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium zu besuchen, zu dessen Schßlern auch Karl Friedrich Schinkel gehÜrt hatte. Nach der mit Leichtigkeit bestandenen Leseprobe beim Schuldirektor wurde Fontane in die Jahrgangsstufe Quarta aufgenommen.cite-ref-11[11]
Nach Neuruppin hinein bestanden seitens der Fontanes weiterhin familiäre Beziehungen und Patenschaftsverhältnisse, so auch zur reformierten Pastorenfamilie Bientz. Superintendent Bientz hatte alle Fontane-Kinder getauft; Theodor kam dort in Pension und lernte damit die Pastorenwelt, die in seinen Romanen vielfach vorkommen sollte, von innen kennen.cite-ref-12[12]
Nur anderthalb Jahre dauerte Fontanes Gymnasialzeit in seiner Geburtsstadt, deren bekannten SĂśhnen â neben Schinkel der Reitergeneral Hans Joachim von Zieten und der sehr erfolgreiche Unternehmer Johann Christian Gentz â in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg ein besonderes Augenmerk gilt.cite-ref-13[13] Später klagte Fontane gelegentlich, dass ihm der Verbleib am Gymnasium und das Abitur vom Vater verstellt worden seien; ob und wie sehr er selbst sich während dieser Schulzeit darum bemĂźht hat, steht allerdings dahin.cite-ref-14[14]
Nachwuchsapotheker
Das väterliche Bestreben sah fĂźr Theodor ebenfalls eine Apotheker-Existenz vor. Deshalb kam er im September 1833 nach Berlin in die Obhut von August Fontane, dem Halbbruder seines Vaters, und trat in die Berliner Gewerbeschule von Karl Friedrich KlĂśden ein, auf der er 1835 die mittlere Reife erlangte. Zu dem, was er später â in einem Sammelband neben anderen bekannten Schriftstellern â als Geschichte seines Erstlingswerks vorstellte, inspirierte ihn sein dortiger Deutschlehrer Philipp Wackernagel: Dabei handelte es sich um einen Hausaufsatz Ăźber die Schlacht bei GroĂbeeren.cite-ref-15[15] Doch verlieĂ er auch die Gewerbeschule nach Durchlaufen einer weiteren Klassenstufe im FrĂźhjahr 1836 vorzeitig, um eine Ausbildung zum Apotheker in der von Schinkel umgebauten Berliner Apotheke Zum weiĂen Schwan bei Wilhelm Rose zu beginnen. Dabei handelte es sich um eine der ältesten und renommiertesten Berliner Apotheken, gelegen an der Spandauer StraĂe 77 im Heilige-Geist-Viertel. Im Abschlusszeugnis fĂźr seine Lehrzeit hieĂ es am 9. Januar 1840, er habe auch seine MuĂestunden âfleiĂig zum Studium pharmazeutischer und anderer damit verbundener Wissenschaftenâ genutzt.cite-ref-16[16]
FĂźnf Gehilfenjahre im Apothekendienst und die ExamensprĂźfungen lagen nun vor Theodor Fontane, der offenbar die Approbation zum Apotheker erster Klasse in PreuĂen anstrebte und damit die Existenz eines Selbständigen mit eigener Apotheke. Das erste Jahr absolvierte er weiterhin bei Wilhelm Rose, dann ging er fĂźr nur drei Monate Apothekendienst nach Burg (bei Magdeburg), wo er sich so langweilte, dass er sich fĂźr eine Anstellung im weltläufigeren und seinen Schriftstellerambitionen fĂśrderlicheren Leipzig bewarb. Eine schwere Typhus-Erkrankung konnte Fontane binnen drei Monaten auskurieren und dann erst vom April 1841 bis Februar 1842 in die Leipziger Adler-Apotheke eintreten. Dort erlitt er einen weiteren, annähernd zweimonatigen Krankheitsschub und bekam ab Juli 1842 eine Anstellung bis Ende März 1843 bei Gustav Adolph Struve in der Salomonis-Apotheke in Dresden. Damit waren drei Jahre seiner Gehilfenzeit absolviert, und er begab sich nach Letschin, wo sein Vater unterdessen eine weitere Apotheke Ăźbernommen hatte. Sohn Theodor schwankte unterdessen zwischen verschiedenen Optionen: Abitur nachmachen und mit Pharmaziestudien die Gehilfenzeit abkĂźrzen oder sich gleich zum Schriftsteller machen. Jedenfalls setzte er darauf, statt der dreijährigen Militärdienstverpflichtung sich als Einjährig-Freiwilliger melden zu kĂśnnen, brauchte dafĂźr aber eine BehĂśrdenbescheinigung, die bald ein Dreivierteljahr auf sich warten lieĂ. Was er währenddessen in der Letschiner Apotheke geleistet hat, bleibt offen; das väterliche Zeugnis aber ging Ăźber jedwede Abwesenheit und zeitliche Unstimmigkeiten hinweg und stellte den Sohn in ein ähnliches gĂźnstiges Licht wie die von den Kollegen erteilten Zeugnisse.cite-ref-18[18]
Vom 1. April 1844 bis zum 31. März 1845 leistete er beim Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2 seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger und wurde mit dem Dienstgrad Corporal (Unteroffizier) regulär entlassen. In dieser Zeit unternahm er auf Einladung seines Schulfreundes Ăkonomierat Hermann Scherz (1818â1888) seine erste, auf 14 Tage angelegte Englandreise.cite-ref-19[19]
Nach Absolvierung des Militärdienstes verbrachte Fontane sein letztes Gehilfenpflichtjahr in der Berliner Polnischen Apotheke von Julius Eduard Schacht und bestand die darauffolgende PrĂźfung, durch die er im März 1847 seine Approbation als âApotheker erster Klasseâ erhielt. Im Sommer 1847 bemĂźhte er sich um den Kauf der LĂśwen-Apotheke in Frankfurt an der Oder, kam aber nicht zum Zuge. So trat er am 1. Oktober des Jahres eine Stelle als Provisor in der Berliner Apotheke âZum schwarzen Adlerâ an.cite-ref-20[20]
Dichter- und Schriftstellerambitionen
Interesse am Schreiben hatte Fontane schon als Elfjähriger in SwinemĂźnde erkennen lassen, als er ein âGeschichten-Buchâ mit einem Durchgang durch die europäische Geschichte von der Teilung des Karolingischen Reiches bis zum Spanischen Erbfolgekrieg verfasste. Stolz versicherte er darin am Schluss die alleinige Urheberschaft als âehrlicher Neuruppinerâ. Mit seinen Geschichtskenntnissen nahm er auch während seiner kurzen Gymnasialzeit eine Sonderstellung unter älteren MitschĂźlern ein, die er auf diesbezĂźgliche PrĂźfungen vorbereitete. Zu dieser Zeit wollte er selbst noch Geschichtsprofessor werden.cite-ref-21[21]
Während seiner Lehrzeit im âWeiĂen Schwanâ bei Wilhelm Rose, der Alexander von Humboldt bei seiner Russlanderkundung begleitet und unterdessen einen Lesezirkel mitbegrĂźndet hatte, zog Fontane nach eigenem Bekunden den grĂśĂten Nutzen von den in rascher Folge in die Apotheke gelieferten Ausgaben des Telegraph fĂźr Deutschland, einer Zeitschrift, die bevorzugt von Autoren des Jungen Deutschland beschickt wurde, darunter Friedrich Engels, Friedrich Hebbel und Georg Herwegh. Hier trat man fĂźr Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit ein und protestierte gegen das herrschende Restaurationssystem. Fontane nutzte seine Mittagspausen in der Apotheke bevorzugt als Gelegenheiten, sich selbst als Dichter zu betätigen. Am Ende seiner Lehrzeit erschien als erste Publikation im Berliner Figaro seine Novelle Geschwisterliebe.cite-ref-22[22]
Bald darauf konnte er erste Gedichte verĂśffentlichen und verkehrte dadurch bestärkt fortan auch in literarischen Gesellschaften. In Leipzig schloss er sich dem Robert Blum eng verbundenen Herwegh-Klub an, stand in Kontakt zu dem Redakteur Georg GĂźnther und fand in der Literaturzeitschrift Eisenbahn. Unterhaltungsblatt fĂźr die gebildete Welt bis 1844 ein Publikationsorgan fĂźr fast alle seine Texte, darunter auch Betrachtungen zur Theaterszene und zur politischen Lage. Man bot ihm sogar an, die Redaktion dieser Literaturzeitschrift zu Ăźbernehmen; Fontane lehnte jedoch ab und hielt an seiner Ausbildung zum Apotheker fest.cite-ref-23[23] Mit einigem Enthusiasmus erwanderte sich Fontane in seiner Leipziger Zeit die umliegenden historischen Schlachtfelder der Befreiungskriege: âDaĂ die Freiheit noch nicht da war, machte mich nicht weiter tief unglĂźcklich; ja vielleicht war es ein GlĂźck fĂźr mich, ich hätte sonst nicht nach ihr rufen kĂśnnen. Immer erst spät abends kam ich von solchen AusflĂźgen zurĂźck und freute mich, je mĂźder ich war. Mir war dann zu Sinn, als hättâ ich mitgesiegt.âcite-ref-24[24]
Eine mehr als zwei Jahrzehnte währende Bindung ging Fontane zu dem Berliner Literaturverein Tunnel Ăźber der Spree ein, dessen Mitglieder jeweils eigene literarische Proben, genannt âSpäneâ, den anderen zur kritischen Begutachtung mĂźndlich vortrugen. Man traf sich immer sonntags ab 17 Uhr, daher der Zweitname âBerliner Sonntagsvereinâ. Offizielles Mitglied wurde der von seinem Freund Bernhard von Lepel eingefĂźhrte Fontane nach halbjähriger Probezeit im September 1844 während seiner einjährigen Militärzeit. Er nutzte den Tunnel als Forum zur wĂśchentlichen Diskussion seiner selbst erstellten Texte. Damit behielt er als angehender Apotheker einen FuĂ in der Literatur und konnte im Verein entsprechende Netzwerke knĂźpfen.cite-ref-25[25]
Mit seinen Textproben fand der von Herwegh Kommende unter den vorwiegend konservativen Tunnel-Literaten zunächst kaum positive Resonanz. Die Urteilsfindung im Tunnelverein Ăźber die âSpäneâ genannten, mĂźndlich vorgetragenen Textpräsentationen war laut Fontane recht rigide: âDie Tunnelschablone kannte nur vier Urteile: sehr gut, gut, schlecht und âverfehltâ. Letzteres war besonders beliebt. Von fĂźnf Sachen waren immer vier verfehlt.âcite-ref-26[26]
Den ersten groĂen Erfolg in diesem Kreis erzielte er mit seiner nach der ersten England-Reise vorgetragenen Ballade Tower-Brand, die nach seinem Eindruck geradezu enthusiastisch aufgenommen wurde und mit der er das fĂźr ihn passende literarische Genre gefunden zu haben meinte. Mit den Balladenzyklen Von der schĂśnen Rosamunde nach dem Vorbild Thomas Percys sowie Männer und Helden zu bekannten Gestalten des preuĂischen Militärs waren Fontanes Stoffgebiete umrissen: Englisch-Schottisches und Historisch-PreuĂisches.cite-ref-27[27] FĂźr die Tower-Ballade dichtete Fontane ein einprägsames Ende: âWieder, wenn es Nacht geworden, wennâs im Tower leer und stumm / Gehen die Geister der Erschlagenen in den Korridoren um, / Durch die LĂźfte weht GeflĂźster, klagend dann wie Herbsteswehn, / Mancher wird im Mondenschimmer noch die Schatten schreiten sehn.âcite-ref-28[28]
Revolutionssympathisant
Fontane war approbierter Apotheker und Provisor in der Berliner Apotheke âZum Schwarzen Adlerâ, als die Wellen der europäischen Revolutionen 1848/1849 Berlin erreichten. Während aller Phasen des Revolutionsverlaufs bis zur Niederschlagung letzter schleswig-holsteinischer Aufgebote im Jahr 1850 war Fontane engagiert dabei: unter Barrikadenkämpfern, als Wahlmann fĂźr die Frankfurter Nationalversammlung und als Journalist fĂźr zwei prorevolutionäre demokratische Zeitungen.cite-ref-29[29]
Seinen Beitrag zu den revolutionären Aktivitäten am 18. März in Berlin kommentierte Fontane im RĂźckblick leicht ironisch. Am Anfang alles GroĂen habe fĂźr ihn das Sturmläuten gestanden, also habe er das in der nahegelegenen Georgenkirche in Gang bringen wollen, die aber â âalle protestantischen Kirchen sind immer zuâ â erst gewaltsam zugänglich gemacht werden musste. Ein bereits etwas wackliger Wäscheleinenpfahl schien ihm als Instrument geeignet, erwies sich aber als widerständig, âund nachdem ich mich ein paar Minuten lang wie wahnsinnig mit ihm abgequält und sozusagen mein bestes Pulver â denn ich kam nachher nicht mehr zu rechter Kraft â an ihm verschossen hatte, muĂtâ ich es aufgeben.â Fontane bescheinigte sich ein gescheitertes DebĂźt als Sturmläuter.cite-ref-30[30] Hans Dieter Zimmermann kommentiert: âMan denke. Ein angesehenes Mitglied des konservativen Sonntagsvereins Tunnel Ăźber der Spree, das dort mit preuĂischen Heldenballaden reĂźssierte, die ihr Leben fĂźr den KĂśnig gaben, wollte die Glocken läuten fĂźr den Sturm auf den KĂśnigspalast.âcite-ref-31[31]
Kurz darauf lieĂ er sich nach eigenem Bekunden von einem StraĂenzug mitreiĂen, dessen Teilnehmer alsbald das KĂśnigsstädtische Theater stĂźrmten, um sich aus den Requisiten mit Barrikadenmaterial und Waffen auszustatten, darunter Degen, Speere und mehrere Dutzend kleine Gewehre. âIch war unter den ersten, denen eines dieser Gewehre zufiel und hatte momentan denn auch den Glauben, daĂ einer Heldenlaufbahn meinerseits nichts weiter im Wege stehe.â Nah beim Alexanderplatz konnte man sich in einem Eckladen mit Pulver eindecken. âSo fehlte denn an meiner AusrĂźstung nichts weiter als Kugeln; aber ich hatte vor, wenn sich diese nicht finden sollten, entweder Murmeln oder kleine GeldstĂźcke einzuladen.â In âfieberhafter Erregungâ lud er den Gewehrlauf mit reichlich Pulver. Als ihn jemand dabei ansprach, stellte sich ihm sein bisheriges Tun, zumal angesichts seiner militärischen Vorbildung, auf einmal âim Lichte einer traurigen Kindereiâ dar.cite-ref-32[32] In der Nachbetrachtung des alten Fontane heiĂt es dazu: âHeldentum ist eine wundervolle Sache, so ziemlich das SchĂśnste was es gibt, aber es muĂ echt sein. Und zur Echtheit, auch in diesen Dingen, gehĂśrt Sinn und Verstand. Fehlt das, so habe ich dem Heldentum gegenĂźber sehr gemischte GefĂźhle.âcite-ref-33[33]
Vom aktiven StraĂenkampf hielt Fontane sich fortan fern und verlegte sich auf teilnehmende Beobachtung und politische Artikelbeiträge. Er schrieb fĂźr die demokratische Tageszeitung Berliner Zeitungshalle von August 1848 bis zu ihrem Verbot im November des Jahres. In seinem ersten Artikel fĂźr das Blatt erklärte er die SelbstauflĂśsung PreuĂens als unabdingbare Voraussetzung fĂźr die GrĂźndung eines deutschen Nationalstaates. Die mit der Hohenzollern-Monarchie verbundene Staatsform sei mit einer Republikanisierung Deutschlands nicht vereinbar. âJeder andere Staat mag in Deutschland aufgehen; gerade PreuĂen muĂ darin untergehen. [âŚ] PreuĂen war eine LĂźge, das Licht der Wahrheit bricht an und gibt der LĂźge den Tod.âcite-ref-34[34]
Sorge bereitete Fontanes publizistisches Engagement auch gegen das Wiedererstarken der alten Mächte vor allem seinen Verwandten in Letschin. Durch familiäre Vermittlung gelang es, Fontane fĂźr ein Jahr auĂerhalb der Berliner Stadttore an das Diakonissenhaus Bethanien zu vermitteln, wo er die Krankenhaus-Apotheke leiten und zwei Diakonissen pharmazeutisch ausbilden sollte. Vor mĂśglicher Inhaftierung als Radikaler schien er in diesem konservativen Umfeld einigermaĂen geschĂźtzt. Er ging im Bethanien keiner ihn sonderlich fordernden Tätigkeit nach, sondern erĂźbrigte viel Zeit und MuĂe fĂźr die eigenen Interessen.cite-ref-35[35]
FamiliengrĂźndung
Als die befristete Anstellung im Bethanien im September 1849 endete, hatte Fontane keine Lust mehr auf eine weitere Apothekenanstellung. âIn einen elenden Durchschnittskasten mit schlechter Luft und schlechtem Bett wieder hineinkriechen, bei Tisch ein zähes StĂźck Fleisch hinunterzukauen und den Tag Ăźber allerlei Kompaniechirurgenwitze â dieâs damals noch gab â mit anhĂśren zu mĂźssen, all das hatte was geradezu Schauerliches, und nach ernstlichem Erwägen kam ich endlich zu dem SchluĂ: es sei das Beste fĂźr mich, den ganzen Kram an den Nagel zu hängen und mich. Auf jede Gefahr hin, auf die eigenen zwei Beine zu stellen.âcite-ref-36[36] Dem Freund Bernhard von Lepel erläuterte er 1849 brieflich seine Misere: âEs gibt mehr denn 2 Dutzend Posten, zu denen ich nicht schlechter wie andere Menschenkinder zu verwenden wäre. GeschäftsfĂźhrer einer Apotheke, Eisenbahnbeamter, Sekretär, Kalkulator, Registrator, Lehrer in Chemie, Geographie und Geschichte, Konstabler-Wachtmeister, Redakteur einer gesinnungslosen Zeitschrift, ministerieller Zeitungsleser und Berichterstatter, Billetteur eines Theaters, BĂźcher-Croupier in der KĂśnigl. Bibliothek und noch hundert andre Dinge kĂśnnte ich so gut werden wie alle die Hinze und Kunze, denen das GlĂźck des Lebens in Gestalt von 400 Talern, so reichlich zuflieĂt.â Es folgen AusfĂźhrungen Ăźber die ihm obliegende, enervierende Lehrlingsbeaufsichtigung in der Apotheke, etwa beim Zubereiten von China-Pomade bzw. Haarschmiere. âUnd dabei: Streben nach Unsterblichkeit. Wahrlich, der Platensche Nimmermann, der auf dem Nachtstuhl TragĂśdie macht, ist an Lächerlichkeit ein Quark dagegen.âcite-ref-37[37] Fontane mietete eine Wohnung in der LuisenstraĂe, nahe der CharitĂŠ, an und wollte sich kĂźnftig als Schriftsteller durchschlagen.
Auf einer Sommerreise 1850 nach Schleswig-Holstein, womĂśglich als entfernter Beobachter der Schlacht bei Idstedt, erreichte ihn durch Vermittlung Bernhard von Lepels die Nachricht, dass er unter Wilhelm von Merckel zum 1. August eine ordentlich dotierte Anstellung im Literarischen Kabinett bekommen kĂśnnte, einer Einrichtung des preuĂischen Innenministeriums, mit der Einfluss auf die Presse genommen und Informationen Ăźber die in- und ausländische Berichterstattung gewonnen werden sollten.cite-ref-38[38] Daraufhin schrieb er seiner Verlobten Emilie Rouanet-Kummer umgehend, dass nun zeitnah geheiratet werden kĂśnne. Die Verlobung lag da bereits fast fĂźnf Jahre zurĂźck, in denen Emilie lange darauf gewartet hatte, einen gut situierten Apotheker zum Mann zu bekommen, sich aber zuletzt auch mit seinen Schriftsteller-Ambitionen arrangiert hatte. Die Hochzeit fand am 16. Oktober 1850 statt.
Der innere Widerstreit zwischen freiheitlich-revolutionären Impulsen und dem Streben nach einer gesicherten Existenzgrundlage fĂźr die Familie hat Fontane nicht nur in der Phase des Widererstarkens der Reaktion nach 1849 beschäftigt und endete nicht mit der Hochzeit. In einem Schreiben an Gustav Schwab, den er als Anlaufadresse fĂźr die Publikation eigener Dichtung gewinnen wollte, äuĂerte er sich im April 1850 zu seinen Perspektiven trocken-sarkastisch: âMein Streben geht nach einer subalternen Stellung im Unterrichtsministerium.âcite-ref-39[39] Die innere Distanz zu den Aufträgen, die er in seinen diversen regierungsnahen Tätigkeitsbereichen später immer wieder verspĂźrte, fĂźhrte mehrfach zu seinem Wieder-Ausscheiden aus Ăźbernommenen Funktionen. Noch während seines England-Aufenthalts 1852 beschäftigte er sich auch mit der Option, dort eine Apotheke zu Ăźbernehmen.cite-ref-40[40]
Der Nachwuchs in der jungen Familie lieĂ nicht lange auf sich warten. Am 14. August 1851 kam als erstes Kind der Sohn George zur Welt (er starb 1887 in Lichterfelde nach einem Blinddarmdurchbruch). Die drei darauffolgenden SĂśhne Rudolf (* 1852), Peter Paul (* 1853) und Ulrich (* 1855) starben kurz nach der Geburt. Als fĂźnftes Kind wurde der Sohn Theodor (1856â1933), genannt Theo, geboren. Auf die einzige Tochter namens Martha (1860â1917), genannt Mete, die später Karl Emil Otto Fritsch heiratete, folgte 1864 schlieĂlich sein letzter Sohn Friedrich Fontane (gestorben 1941 in Neuruppin).
Journalist in Regierungsdiensten
Die Stelle im Literarischen Kabinett verlor Fontane bereits nach fĂźnf Monaten, als dessen sämtlichen bisherigen Mitarbeitern nach einer streng konservativen Regierungsumbildung unter Otto Theodor von Manteuffel gekĂźndigt wurde. Mit Aushilfsjobs wie einer Krankheitsvertretung im Bethanien oder als Hauslehrer fĂźr diverse Unterrichtsfächer suchte er sich finanziell Ăźber Wasser zu halten. Doch waren die EinkĂźnfte so dĂźrftig, dass er sich im November 1851 erneut in die nun âCentralstelle fĂźr PreĂangelegenheitenâ genannte Regierungsabteilung fĂźr Ăffentlichkeitsarbeit einstellen lieĂ. Hier hatte er Aufträge zu erledigen, die ihm Freunden wie Lepel gegenĂźber äuĂerst peinlich waren, so zum Beispiel ein âGlorifikations-Gedicht fĂźr Herrn v. Manteuffelâ: âIch debĂźtiere mit Ottaven zu Ehren Manteuffels. Inhalt: der Ministerpräsident zertritt den (unvermeidlichen) Drachen der Revolution. Sehr nett!âcite-ref-41[41]
Seine Aufgabe vor Ort bestand darin, zu Zeiten des Krimkriegs die englische Presse auszuwerten und die diesbezĂźglichen Ergebnisse verbunden mit eigenen Reflexionen nach Berlin zu Ăźbermitteln. Von 1856 an konnte er diese Stelle dann als politischer und kultureller Korrespondent ausĂźben, der Ăźber Englands gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung auf dem Laufenden hielt. 1858 unternahm er mit Bernhard von Lepel eine Schottland-Reise, deren HaupteindrĂźcke er unter dem Titel Jenseit des Tweed literarisch fasste und verĂśffentlichte. Poetischer HĂśhepunkt dieser Reise war fĂźr Fontane der Besuch von Abbotsford, dem Wohnsitz von Walter Scott, der laut Fontane âimmer die Stätte bleibt, wo der Wunderbaum der Romantik seine schĂśnsten und vor allem seine gesundesten BlĂźten trieb.âcite-ref-42[42]
Als die Regierung Manteuffel von der Neuen Ăra abgelĂśst wurde, stellte auch Fontane mit der KĂźndigung seiner England-Mission im Dezember 1858 die Weichen fĂźr sein berufliches Dasein neu. Allerdings fehlte es ihm und seiner Familie zurĂźck in Berlin vorderhand an einer gesicherten Existenzgrundlage, zumal er 1860 die Centralstelle endgĂźltig verlassen musste. Durch Vermittlung seines Tunnel-Freundes George Hesekiel erhielt er eine Festanstellung bei der konservativen Kreuzzeitung, fĂźr die er bis dahin bereits mitunter Artikel geschrieben hatte. Hier fand er fĂźr die nächsten 10 Jahre seinen Platz in der Redaktion und passte sich in seinen Kommentaren politisch erkennbar an. Laut GĂźnther RĂźther kennzeichnet seine Beiträge fĂźr die Kreuzzeitung zuweilen ein antidemokratischer, deutsch-nationaler Ton.cite-ref-43[43]
Märkischer Wanderer und gescheiterter Konservativer
Dem England-Korrespondenten der Kreuzzeitung stand nebenher hinreichend Zeit zur VerfĂźgung fĂźr seine AusflĂźge zur Erkundung der Mark Brandenburg, fĂźr die er anfangs auch den Verleger Wilhelm Ludwig Hertz als Mitreisenden gewinnen konnte. Die Idee dazu war ihm auf seiner Schottlandreise gekommen. Auf der BootsrĂźckfahrt vom Douglas-Schloss Ăźber den KinroĂ-See kamen ihm Schloss Rheinsberg und der Rheinsberger See in den Sinn; und er fasste den Entschluss, die Mark Brandenburg und ihre SchlĂśsser und Seen beschreiben zu wollen â ein Vorhaben, das ihn dann zwei Jahrzehnte beschäftige.cite-ref-44[44] Auch hier ging es wie in Jenseits des Tweed um bekannte historische Gestalten und ihre Lebensweise. âMaria Stuart und Walter Scott weichen dem Grafen von Ruppin, Graf und Gräfin Itzenplitz und dem alten Derfflinger.âcite-ref-45[45] Mit den Wanderungen durch die Mark Brandenburg hat Fontane das Geschichtsbild von der Entstehung der Mark Brandenburg weitgehend geprägt. FĂźr ihn selbst stellte sich das Verfassen der beiden ersten Bände als wichtiger Entwicklungsschritt dar. Seiner Frau schrieb er im August 1882, er sei erst danach zu einem Schriftsteller geworden, âd. h. ein Mann, der sein Metier als Kunst betreibt.âcite-ref-46[46]
Fontanes Primärzuständigkeit in der Kreuzzeitung betraf nicht nur England, sondern das British Empire insgesamt sowie die USA und Skandinavien. Da er auch vordem bereits mit Beiträgen in der Kreuzzeitung vertreten war, bestand der Unterschied hauptsächlich in der nunmehrigen Festanstellung. Wie schon in frĂźheren Funktionen Ăźbernahm Fontane nun auch hier die Berichterstattung Ăźber Kunst- und Gewerbeausstellungen. Späterhin war er bemĂźht, seine Mitarbeit in diesem erzkonservativen Blatt zu marginalisieren und zu verkleinern. Lieber gleich ganz verschwiegen hätte Fontane laut DâAprile, âdass er von der Kreuzzeitung auch als offizieller Repräsentant beim neugegrĂźndeten Journalistenverband Verein Berliner Presse sowie als Wahlmann im letzten Aufgebot der Konservativen Partei bei den fĂźr sie aussichtslosen Parlamentswahlen im FrĂźhjahr 1862 abgeordnet worden ist.âcite-ref-47[47] Dazu bewogen hatte ihn im Zuge des preuĂischen Verfassungskonflikts der damals im selben Haus in der Tempelhofer StraĂe 51 wohnende Leopold von Ledebur. Die erfolglose Kandidatur trug ihm nichts ein auĂer der deutlichen Erkennbarkeit in einer Karikatur des Kladderadatsch.cite-ref-48[48]
Danach setzte Fontane seine Wanderungen ins Märkische fort. Es sei unmĂśglich, urteilte Gordon A. Craig, nicht beeindruckt zu sein âvon dem ungeheuren FleiĂâ, mit dem Fontane Familienarchive, KirchenbĂźcher, alte Chroniken und vergessene regionale Aufzeichnungen durchforscht und seine Kenntnisse in Gesprächen mit den Nachkommen alteingesessener Familien erweitert habe.cite-ref-49[49] D'Aprile sieht die Publikation der Wanderungen durch die Mark Brandenburg als ein âjournalistisches MeisterstĂźckâ Fontanes, basierend auf seinen historischen und geographischen Interessen sowie einem Ăźber die ganze Provinz sich erstreckenden Informationsnetzwerk. Als versierter Tourist und Reisejournalist habe er seine Kompetenzen der Vor-Ort-Recherche und der narrativen Gestaltung des Stoffes zusammengefĂźhrt.cite-ref-50[50]
Kriegschronist in Gefahr
Während der Arbeiten an den Wanderungen geriet Fontane im August 1864 Ăźber einen ministeriellen Auftrag in Hochstimmung: Er soll ein Werk Ăźber den Deutsch-Dänischen Krieg verfassen, das im Verlag der KĂśniglichen Geheimen Hofdruckerei erscheinen wird. Das Projekt in seinen da noch gar nicht absehbaren Weiterungen sollte ihn insgesamt 12 Jahre intensiv in Anspruch nehmen, denn auch zum PreuĂisch-Ăsterreichischen Krieg 1866 und zum Deutsch-FranzĂśsischen Krieg 1870/71 blieb er als Kriegsberichterstatter gefordert. Insgesamt erschienen schlieĂlich viertausend Seiten Kriegsgeschichte in acht Bänden, dazu die ebenfalls einschlägigen autobiographischen Schriften Kriegsgefangen. Erlebtes 1870 und Aus den Tagen der Okkupation (1871). âAuftragsbedingt waren ihm die Erfordernisse der preuĂischen Kriegspropaganda präsent, doch er legte grĂśĂten Wert auf Vielstimmigkeit und Multiperspektivität.â AuĂer preuĂischen Quellen nutzte er die der jeweiligen Kriegskontrahenten; neben offiziellen Darstellungen wurden auch EindrĂźcke von Bauern und Soldaten wiedergegeben. Jeweils nach dem Waffenstillstandsabkommen bereiste Fontane zwecks eigener Anschauung und auf eigenes Risiko die Orte der Kampfhandlungen in Dänemark, BĂśhmen und Frankreich.cite-ref-51[51]
Der Historiker Craig bescheinigte Fontane einen bereits seit Kindertagen von den Napoleonischen FeldzĂźgen genährten, eingehenden militärischen Sachverstand. âEr kannte die taktischen Regeln und Bewegungen, die eine Armee zu einem erfolgreichen Kampfverband machen. Er war sich der Bedeutung der Kommandostruktur, der Verantwortlichkeiten und der Methoden bewuĂt, die fĂźr ihren Einsatz gelten, und kannte auch den offiziellen Dienstweg, auf dem Befehle und Meldungen bis zur kleinsten Einheit weitergegeben werden.â Mit FleiĂ und Methode habe er sein Wissen vertieft, Strategien und Operationen grĂźndlich recherchiert, Briefe und Schilderungen von Frontsoldaten beider Seiten einbezogen und seiner Darstellung dergestalt Authentizität und Farbe verliehen. Zudem weise das Buch Der Krieg gegen Frankreich ein beeindruckendes Quellenverzeichnis auf, das nicht nur alle damals verfĂźgbaren offiziellen und halboffiziellen diplomatischen und militärischen Werke, WeiĂbĂźcher und auf Generalstabsakten beruhenden Darstellungen militärischer Operationen umfasse, sondern auch Erinnerungen, TagebĂźcher und Aufsätze von Soldaten, Journalisten und Privatpersonen in Deutschland, Frankreich und England sowie die Archivunterlagen von zwĂślf deutschen Tageszeitungen.cite-ref-52[52] Fontane habe sich nie von dem verbreiteten Kriegsfieber mitreiĂen lassen. Mit Blick auf ein besonders blutiges Feuergefecht im Schleswig-Holsteinischen Krieg befand er, der Krieg sei zu einer âWissenschaft des TĂśtensâ verkommen.cite-ref-53[53]
Drastisch bekam Fontane das Riskante seiner Recherchen auch auf dem Boden der Kriegskontrahenten PreuĂens zu spĂźren, als er bereits nach der Schlacht von Sedan, aber noch vor dem Beginn von Friedensverhandlungen zur Schlachtfelderbesichtigung Ende September 1870 nach Frankreich aufbrach. Am 5. Oktober wurde Fontane, der mit rotem Kreuz und weiĂer Armbinde, aber auch mit einem Revolver ausgestattet war, in DomrĂŠmy von Francs-tireurs festgesetzt und den GerichtsbehĂśrden Ăźbergeben. Als er am Folgetag nach peinlichem VerhĂśr die Mitteilung erhielt, ein General werde Ăźber ihn entscheiden, wähnte er âdas TodtschieĂen nahâ. Nach Festungshaft in Besançon und Freispruch vom Spionageverdacht am 23. Oktober wurde er wegen seiner Nähe zu Militärs âfĂźr die Dauer des Kriegesâ auf der Ăle dâOlĂŠron inhaftiert â und kam Ende November 1870 wieder frei.cite-ref-54[54]
Verwandte und Freunde in Berlin erreichte die Nachricht von seiner Verhaftung erst Mitte Oktober. Die Unversehrtheit und das Freikommen Fontanes verdanken sich wesentlich der Initiative von Moritz Lazarus, der als Tunnel-Vereinsfreund seine in der Alliance IsraĂŠlite Universelle geknĂźpfte Bekanntschaft zum damaligen franzĂśsischen Justizminister Adolphe CrĂŠmieux nutzte und ihm telegrafierte mit der Versicherung, dass Fontane, mit dem er seit 18 Jahren wĂśchentlich zusammenkomme, vor Ort rein literarischen Zwecken nachgegangen sei. Im Zusammenwirken von CrĂŠmieux und LĂŠon Gambetta, dem AnfĂźhrer der republikanischen Widerstandsregierung, der gerade mit dem HeiĂluftballon aus dem belagerten Paris entkommen war, kam es zu jenem fĂźr Fontane lebensrettenden Freispruch und zu komfortablen Hafterleichterungen, die ihm sogar die unmittelbare Fortsetzung seiner literarischen Arbeiten ermĂśglichten. Die vielfach verbreitete Annahme, Otto von Bismarck habe mit seinem Telegramm vom 29. Oktober an den amerikanischen Botschafter in Paris Elihu B. Washburne Fontanes Rettung bewirkt, trifft nicht zu: Es datiert sechs Tage nach dem lebensrettenden Freispruch vom Spionageverdacht. Vielmehr verweigerte die preuĂische Regierung im Nachgang den fĂźr Fontanes Freilassung vereinbarten Gefangenenaustausch mit einem franzĂśsischen Offizier, was wiederum den mit heiler Haut und bei guter Behandlung davongekommenen Fontane erboste.cite-ref-55[55]
Theaterkritiker fĂźr âTante Vossâ
Bereits im FrĂźhjahr 1870 war es zu einer heftigen Auseinandersetzung um eine längerfristige finanzielle Absicherung Fontanes zwischen ihm und dem Chefredakteur der Kreuzzeitung Thuiskon Beutner gekommen, die Fontane den letzten AnstoĂ gab, seine Stelle in der Kreuzzeitung zu kĂźndigen. Seiner mit Tochter Martha gerade in England weilenden Frau Emilie teilte er das erst drei Wochen später brieflich mit. Ihren erwartbaren Schock suchte er zu dämpfen, indem er ihr umfänglich auseinandersetzte, wie das folgende Jahr dennoch finanziell Ăźberstanden werden kĂśnnte. Tatsächlich erhielt Fontane noch im Sommer 1870 das Angebot, sich der Redaktion der Vossischen Zeitung als Theaterkritiker anzuschlieĂen. Allein dadurch konnte er die Hälfte der weggefallenen Verdienste ausgleichen. Mit weiteren Einnahmen und UnterstĂźtzungsleistungen von kĂśniglich-ministerieller Seite fĂźr seine Kriegsdarstellungen war fĂźr ein Auskommen vorerst gesorgt.cite-ref-56[56]
Als Zeitung des gehobenen BĂźrgertums gab sich die Vossische moderat liberal und wurde als âTante Vossâ halb geliebt und halb verspottet. Das neue Zielpublikum Fontanes war ein bĂźrgerlich-städtisches anstelle des bisherigen ständisch-konservativen der Kreuzzeitung â mit Landadel, Provinzlehrern und Pastoren. Unter den nach Theatern aufgeteilten Zuständigkeiten der Vossischen Theaterkritiker hatte man Fontane die fĂźr das KĂśnigliche Schauspielhaus Ăźbertragen, nachdem der bisher dafĂźr verantwortliche Friedrich Wilhelm Gubitz gerade erst verstorben war. Der Schauspielhaus-Theaterbetrieb unterstand der Aufsicht des kĂśniglich-kaiserlichen Hofes, der es vor allem als patriotische Erziehungs- und Erbauungsanstalt fĂźr das Berliner Publikum fĂśrderte: Shakespeare-StĂźcke sowie Klassiker-Inszenierungen von Lessing, Goethe, Schiller und Kleist mit einem AuffĂźhrungsmonopol fĂźr das KĂśnigliche Theater, dazu eine breite Palette vaterländischer Historiendramen in tendenziĂśser Aufbereitung. In den 20 Jahren, die Fontane fĂźr die Vossische auf Posten blieb (fĂźr ihn reserviert war der nachmals berĂźhmte Parkettplatz 23 im Schauspielhaus, den er selbst als anrempelungsträchtig nicht sonderlich schätzte), hat er rund 700 AuffĂźhrungen am Schauspielhaus gesehen und annähernd 650 Theaterrezensionen geschrieben â fĂźr die Morgenausgabe ab 1875 teils nach der Vorstellung direkt in der Redaktion, teils daheim, von wo Emilie oder eines der Kinder die Besprechung bei 2 Uhr nachts mit der Droschke zur Druckerei brachte.cite-ref-57[57]
GegenĂźber Einwänden an seiner Arbeit gab sich Fontane im Einzelfall selbstsicher: âMeine Berechtigung zu meinem Metier ruht auf einem, was mir der Himmel in die Wiege gelegt hat: FeinfĂźhligkeit kĂźnstlerischen Dingen gegenĂźber. An diese meine Eigenschaft habâ ich einen festen Glauben; hättâ ich ihn nicht, so legte ich heute noch meine Feder als Kritiker nieder. Ich habe ein unbedingtes Vertrauen zu der Richtigkeit meines Empfindens.âcite-ref-58[58] Charakteristisch fĂźr Fontanes Rezensionen, so DâAprile, seien Anschaulichkeit, Wortwitz, Ăźberraschende und pointierte Vergleiche, zudem vermeintlich abschweifende, den Kern der Sache jedoch treffende Anekdoten.cite-ref-59[59] Dem immer noch gängigen âTon gelehrter Literaturabhandlungen des hĂśher berufenen Kunstrichtersâ habe er âschnoddrige Entakademisierungâ und vermindertes Pathos entgegengesetzt, indem er einer AuffĂźhrung beispielsweise nachsagte, sie wirke wie eine matte Limonade. Die eigene Urteilsfähigkeit hielt sich Fontane auch im RĂźckblick zugute. Jeder ihn Lesende habe stets eine Antwort auf die Frage âweiĂ oder schwarzâ, âGold oder Blechâ daraus ersehen kĂśnnen.cite-ref-60[60]
Mitte der 1870er Jahre suchte Fontane sich in gestaltender Absicht noch einmal fĂźr eine Stelle im Staatsdienst zu qualifizieren, fĂźr die er wiederum von Literaturvereinsfreunden empfohlen wurde. Es ging um das Amt des Akademiesekretärs in der eben erst zu einem nationalen Kulturinstitut umgewandelten PreuĂischen Akademie der KĂźnste. Hier standen reizvolle Aufgaben an, die sich infolge der ReichsgrĂźndung in Berlin konzentrierten: bauliche und kĂźnstlerische Zeichen des Sieges, darunter die Siegessäule, aber auch die Nationalgalerie und der Ausbau der Museumsinsel. Als horizontweitende Vorbereitung auf die angepeilte Bewerbung setzte Fontane 1874 und 1875 jeweils mehrwĂśchige Italienreisen an, auf denen er die Kunst- und Kulturschätze erst in Venedig, Florenz, Rom und Neapel studierte, dann auch die anderer Kunstmetropolen in Norditalien â ein Besichtigungsmarathon mit umfangreichen Notizen und ReisetagebĂźchern, erst mit Emilie gemeinsam, dann als Alleinreisender. Tatsächlich erhielt Fontane im Januar 1876 den Zuschlag fĂźr die Stelle, die er von März an kommissarisch ausĂźbte. Anders als vorgesehen konnte er jedoch nicht als GeschäftsfĂźhrer der Akademie mit Gestaltungskompetenzen agieren, sondern sah sich als 56-Jähriger zum bloĂen Gehilfen des 32-jährigen KaisergĂźnstlings und Direktors der gerade gegrĂźndeten Hochschule fĂźr die bildenden KĂźnste Anton von Werner degradiert. Anfang Mai offiziell in Amt und WĂźrden, kĂźndigte Fontane zum Entsetzen seines Umfelds die Stelle bereits am Monatsende.cite-ref-61[61] Der nachmalige Romanschriftsteller Fontane wäre allerdings ohne diesen Schritt kaum vorstellbar.cite-ref-62[62] Am 18. Juni hatte Emilie ihren Frieden mit der KĂźndigungslage anscheinend bereits gemacht, denn sie schrieb ihrem Mann: âMir klopft das Herz vor Freude, bei dem Gedanken, Dich wiederzusehen. LaĂ es Dir gut gehen du lieber Sekretär a. D.; es war ein bĂśser Titel. Lächerlich an sich, fĂźr Dich â unter der WĂźrde. Nein, wir wollen nun Th. F. leben und sterben. Hoffentlich gemeinsam und gesund noch lange das erstere.âcite-ref-63[63]
Späte Romane à la Fontane
Mit seiner endgĂźltigen Abkehr von jeglicher Tätigkeit in staatlichem Auftrag konnte sich Fontane neben der weitergefĂźhrten Theaterkritik nun ganz seinem schriftstellerischen Werk widmen. Nach Abschluss der Arbeiten an Der Krieg gegen Frankreich konzentrierte sich sein Bestreben auf die Umsetzung seiner Romanvorhaben. Als ihm 1879 der Direktor des Märkischen Museums Ernst Friedel anbot, die Redaktion der hauseigenen Schriftenreihe zu Ăźbernehmen, lehnte er wortreich dankend ab. Emilie schrieb er, dass er âden ganzen patriotischen Krempelâ satt habe. âIch will nur noch Roman und Novelle schreiben und mich auf diesem Gebiet legitimiren.âcite-ref-64[64]
Realismus und ZeitgenĂśssisches als Programm
Worauf Fontane als Romanschriftsteller hinauswollte, lässt sich gelegentlichen verallgemeinernden ĂuĂerungen entnehmen.cite-ref-65[65] Ăber die Bestimmung des realistischen Romans schrieb Fontane in der Vossischen Zeitung, dieser solle âeine Welt der Fiktion auf Augenblicke als eine Welt der Wirklichkeitâ erscheinen lassen. Auch solle er âein moderner Romanâ sein, âein Bild der Zeit, der wir selber angehĂśrenâ, mindestens aber solle er âdie Widerspiegelung eines Lebensâ bieten, âan dessen Grenze wir selbst noch standen oder von dem uns unsere Eltern noch erzählten.âcite-ref-66[66] âDas wird der beste Roman seinâ, notierte Fontane 1886 bei einer Romanbesprechung, âdessen Gestalten sich in die Gestalten des wirklichen Lebens einreihen, so daĂ wir in Erinnerung an eine bestimmte Lebensepoche nicht mehr genau wissen, ob es gelebte oder gelesene Figuren waren, ähnlich wie manche Träume sich unserer mit gleicher Gewalt bemächtigen wie die Wirklichkeit.âcite-ref-67[67]
Laut Craig sah Fontane den Auftrag des Romanciers nicht darin, den Leuten Verhaltensempfehlungen zu vermitteln, sondern ihnen zu zeigen, wie die Dinge stĂźnden. âDie Aufgabe des modernen Romans scheint mir darin zu bestehen, ein Leben, eine Gesellschaft, einen Kreis von Menschen abzubilden, die ein unverzerrtes Spiegelbild des Lebens sind, das wir fĂźhren.â Geschehe dies mit der Klarheit und Scharfsicht, mit dem Verständnis und GefĂźhl, die dem KĂźnstler abverlangt wĂźrden, so kämen die Leser in die Lage, die eigene Gesellschaft und ihr Leben darin besser zu begreifen. Veränderungen diesbezĂźglich anzustreben, bleibe ihnen Ăźberlassen.cite-ref-68[68]
Visuelle und szenische Erzählverfahren kennzeichnen, so D'Aprile, alle Romananfänge Fontanes. âDie räumlich und zeitlich genaue Lokalisierung des Schauplatzes erzeugt zum einen die fĂźr den realistischen Roman grundlegende Wirklichkeitsillusion und fĂźhrt zugleich in die thematisierten Gesellschaftsschichten und sozialen Konflikte ein.âcite-ref-69[69] So entstehe Raum fĂźr die Inszenierung sozialer Realität. âDenn Wohnlage und Wohnambiente kennzeichnen die gesellschaftliche Position des literarischen Personals. Und so subtil wie die Grenzen und Verbindungen zwischen den Quartieren des literarischen Raums, in dem die Protagonisten agieren, sind auch die Konflikte, die sie austragen.âcite-ref-70[70]
Fontane sei kein allwissender oder auktorialer, sondern ein beobachtender Erzähler, der seine Figuren selbst sprechen lasse. Damit werde eine Deutungsoffenheit erzeugt, âdie unterschiedliche Wahrnehmungen und Wertungen nebeneinanderstellt und es den Leserinnen und Lesern selbst Ăźberlässt, das Geschehen einzuordnen und aus der fiktionalen Anordnung auf die Erfahrungen des wirklichen Lebens zu Ăźbertragen.âcite-ref-71[71]
âMeine ganze Produktion ist Psychographie und Kritik, DunkelschĂśpfung, im Lichte zurechtgerĂźcktâ, zitiert Ziegler Fontanes Selbsteinschätzung und leitet daraus ab: âUnbewuĂtes, geformt mit den Kräften des beobachtenden, ordnenden und wertenden Intellekts: so sieht Fontane, in einem fĂźr das Ende des 19. Jahrhunderts ungewĂśhnlich modernen Verständnis des Schreibens, das Wesen seines Schriftstellertums, ja allen zeitgemäĂen Erzählens.âcite-ref-72[72]
Figurenzeichnung in Dialogen
Bei der Verfeinerung seines Stils hat Fontane laut Craig weniger auf die Gestaltungsmittel Erzählung und Bericht gesetzt, stattdessen zunehmend auf das Gespräch. Die gesprochene Sprache habe er fĂźr den SchlĂźssel zum Charakter und zu den Fähigkeiten eines Menschen gehalten. Beim Reden hätten sich fĂźr ihn die Unterschiede zwischen den Menschen enthĂźllt, âihr Anstand oder ihre Unzuverlässigkeit, ihre sittlichen Ăberzeugungen und gesellschaftlichen Vorurteile sowie die Art und Weise, auf die Zeitläufte zu reagieren.âcite-ref-73[73] Bei der Wiedergabe sprachlicher Manieriertheiten der Mittelklasse etwa habe Fontane den Witz und die Geschwätzigkeit des Berliner Dialekts mit Unmengen Zitaten verbunden, so zum Beispiel in den Fällen des Kaufmanns Van der Straaten in LâAdultera, Professor Schmidts oder des Kommerzienrats in Frau Jenny Treibel. Zitate â womĂśglich BĂźchmanns GeflĂźgelten Worten entlehnt â konnten dazu dienen, die eigene Rede auf distinguierte Art auszuschmĂźcken. Kein frĂźheres oder späteres Jahrhundert, heiĂt es bei Craig, âwar so bildungsbesessen wie das neunzehnte; so war es in Deutschland, wo Bildung zum Inbegriff allumfassender Kultur wurde, vielleicht nur natĂźrlich, daĂ sich das Zitat zu einem Mittel der Verständigung und Selbstcharakterisierung im täglichen Leben wie in literarischen Kreisen entwickelte.âcite-ref-74[74]
Der reiselustige Fontane selbst steckte voller Geschichten und Anekdoten, die er geistreich und pointiert vorzutragen verstand. Er bescheinigte sich, in âanderthalb Menschenalternâ eine âkleine Virtuositätâ beim Besuch von Gesellschaften ausgebildet zu haben; er sei allerdings noch nie ohne das GefĂźhl nach Hause gekommen, manches gesagt zu haben, das besser nicht gesagt worden wäre.cite-ref-75[75] Bei einem jungen Literaten bedankte sich Fontane Mitte der 1890er Jahre einmal dafĂźr, dass dieser die literarische Bedeutung seines âPlauder- und Bummelstilsâ richtig erkannt habe. Tatsächlich verstehe er sich auf das Schreiben von Dialogen auch im Vergleich zu anderen besonders gut. Er sei ein âPortraitist und Causeurâ; seine Kunst sei die Kunst des Plauderns, ungeachtet gelegentlicher Zweifel âĂźber die Berechtigung dieses ewigen Plaudernsâ.cite-ref-76[76]
Stoffsammlung und -verwertung
Als Fontane sich 1876 endgĂźltig auf das Schaffen von Romanen festlegte, konnte er bereits in mancherlei Hinsicht auf Vorarbeiten zurĂźckgreifen, insbesondere zu Vor dem Sturm, wie bereits ein Tagebucheintrag von 1862 besagt. Mit der verschlĂźsselt dargebotenen Geschichte der Familie von der Marwitz mochte er an das Erfolgsrezept der Wanderungen anknĂźpfen, dem Publikum Geschichten ihrer eigenen Vorfahren zu vermitteln.cite-ref-77[77] Ohnedies kannte der langjährige Journalist keinen Mangel an Stoffen. Oft waren es Zeitungsmeldungen, aus denen die Idee fĂźr einen Roman oder fĂźr dessen Ausgestaltung resultierte, so die Anzeige Ăźber eine Palmenversteigerung der Familie RavenĂŠ fĂźr Fontanes ersten Berliner Gesellschaftsroman LâAdultera, so ein Duell in der Berliner Hasenheide fĂźr Effi Briest oder auch Meldungen aus Provinzblättern wie dem Riesengebirgs-Boten, die in Quitt eingingen.cite-ref-78[78]
Wie der gelernte Apotheker, der Vorratslisten fĂźr Medikamente zu fĂźhren hatte und fĂźr PrĂźfungen von Pflanzenarten, Heilkräutern und Rezepten auswendig lernte, schĂśpfte auch der Romanschriftsteller Fontane aus selbst angelegten Listen. Mit der Zeit verfĂźgte er Ăźber eine Vielzahl an Listen mit Szenen, Figuren, Anekdoten und Schauplätzen, aus denen er sich je nach aktuellem Bedarf zu bedienen wusste.cite-ref-79[79] Das Baukastensystem seiner Stoffsammlung ermĂśglichte es ihm auch, auf Anforderungen des Zeitungsmarktes und von Zeitungsverlegern flexibel einzugehen. In der Regel erschienen seine Romane nämlich â wie im 19. Jahrhundert Ăźblich â zuerst als Serie in täglichen, wĂśchentlichen oder monatlichen Folgen in Zeitungen oder Zeitschriften.cite-ref-80[80] Deren Vorgaben wirkten sich erheblich auf das Produkt aus, etwa bezĂźglich der Themennachfrage, des Umfangs und der Kapitellänge. Letztere gestaltete Fontane so, dass sie mit durchschnittlich sechs bis acht Seiten genau fĂźr eine Folge des Zeitschriftenabdrucks passten.cite-ref-81[81]
Autobiographische Aspekte im Romanwerk
Flexiblen Umgang mit Vorproduziertem bewies Fontane nicht zuletzt, als er fĂźr seinen stark autobiographisch geprägten Apothekerroman Allerlei GlĂźck, den er auf Vor dem Sturm folgen lassen wollte, keinen Verleger fand. Den Mittelpunkt der Handlung bildeten die Apothekerfamilie Brose (in Abwandlung seines vormaligen Lehrherrn Rose) und der Apothekergehilfe Lambertus Distelmeyer, eine halb gescheiterte Vielleser-Existenz mit Entdeckerambitionen â ein abgewandeltes Selbstporträt Fontanes, das auch SwinemĂźnder KindheitseindrĂźcke aufnahm. Dieser Romanentwurf diente ihm hernach, so D'Aprile, ânach dem ursprĂźnglichen griechischen Wortsinn von apotheke als âAufbewahrungsort, Speicher, Lager, Ablage, Depotâ, woraus sich seine folgenden Werke speisten.â In Effi Briest gestaltete Fontane nach Lambertus Distelmeyer mit dem Provinzapotheker Alonzo GieshĂźbler literarisch erneut eine Apothekerfigur. Als fĂźr den nunmehr arrivierten Romancier später noch einmal eine VerĂśffentlichung von Allerlei GlĂźck zur Diskussion stand, sah Fontane mit der BegrĂźndung davon ab, dass unterdessen alle Ideen und Stoffe anderweitig verbraucht seien.cite-ref-82[82]
Auch in anderen Figuren als dem Apotheker Distelmeyer hat Fontane RĂźckbezĂźge auf die eigene Person erkennen lassen, so in der Gestaltung des Professors Schmidt in Frau Jenny Treibel oder beim alten Dubslav in Der Stechlin.cite-ref-83[83] Als Schauplätze seiner Romane hat Fontane häufig Orte und Milieus verwendet, die er aus eigener Anschauung kannte, sei es bei Kuraufenthalten und Sommerfrischen zwischen den Theatersaisons â meist unterteilt in einen Monat an der See und einen Monat im Harz oder in Schlesien â, sei es durch AusflĂźge ins Berliner Umland und seine alltäglichen Spaziergänge in Berlin. So kommt die Handlung von CĂŠcile im Hotel Zehnpfund in Thale in Gang; Ellernklipp spielt im Nordharz; Quitt beginnt im schlesischen KrummhĂźbel; und die Szenerie von Irrungen Wirrungen bildet zum Teil das im SĂźden von Berlin gelegene Ausflugslokal Hankels Ablage, wo Fontane 1884 und 1885 jeweils zwei Wochen verbrachte. Die ausfĂźhrliche literarische Befassung Fontanes mit den seinerzeitigen Berliner Gegebenheiten wiederum hat seinen jĂźngeren Bekannten Ernst Heilborn später auf die oft zitierte Bezeichnung Berlins als âFontanopolisâ gebracht.cite-ref-84[84]
Frauenfreundliche Familienwerkstatt
Zusammenhalt und Mitwirkung der Familie waren fßr das Gelingen des Fontaneschen Romanschaffens, bei dem oft mehrere Projekte parallel aufgesetzt und fortgeschrieben wurden,cite-ref-85[85] unerlässlich. Emilie Fontane, die seine oft unverhofften beruflichen Reorientierungen und Kßndigungen nicht klaglos hingenommen, aber zuletzt doch mitgetragen hat, stand auch dem späten Romancier in vieler Hinsicht unerlässlich zur Seite: als Sachwalterin in geschäftlichen Belangen, als erste Redakteurin, Lektorin, Buchhalterin und Schreibkraft, aber auch als literarische Ratgeberin und gelegentliche Koautorin. Auch beider längst erwachsene, wirtschaftlich eigenständige Kinder unterstßtzten den Vater mit Rat und Tat, sei es als kritische Begleiter seines Schaffens, sei es als Netzwerker fßr ihn in Berliner Literaturvereinen oder im Falle des Sohnes Friedrich ab 1890 als Hausverleger von Fontanes Werken.cite-ref-86[86]
Privat wie auch in seinen Gesellschaftsromanen zeigte Fontane sich Frauen gegenĂźber â nicht eben zeittypisch â aufgeschlossen. Er schrieb in einem Brief an Paul Schlenther am 6. Dezember 1894: âWenn es einen Menschen gibt, der fĂźr Frauen schwärmt und sie beinah doppelt liebt, wenn er ihren Schwächen und Verirrungen, dem ganzen Zauber des Evatums, bis zum infernal Angeflogenen hin, begegnet, so bin ich es.âcite-ref-87[87] Er schätzte an ihnen Intelligenz, Mut und geistige Unabhängigkeit, so Gordon Craig. Zu Fontanes engsten Ratgebern zählten mit Ehefrau Emilie, Tochter Martha â Vorbild fĂźr die Katharina Schmidt in Frau Jenny Treibel â und der langjährigen Briefpartnerin Mathilde von Rohr vorrangig Frauen. Und im Gegensatz zu dem im 19. Jahrhundert vorherrschenden Geschlechter-Rollenbild sind Fontanes Romanheldinnen in hohem MaĂe eigenständige PersĂśnlichkeiten. âBei der Beziehung zwischen MĂŠlanie und Rubehn in LâAdultera, zwischen Stine und Woldemar in Stine, zwischen Lene und Botho in Irrungen Wirrungen sowie zwischen Mathilde und Hugo in Mathilde MĂśhring ist jeweils die Frau der stärkere Teil, die zähere in Notzeiten und in jedem Sinn die Erzieherin ihres Mannes. Dennoch vermag ihre Stärke nichts gegen das vereinte Gewicht gesellschaftlicher Sitten und moralischer Heuchelei.âcite-ref-88[88]
Der alte Fontane stelle mit seinen Romanen die Oberschicht der Gesellschaft an den Pranger, heiĂt es bei RĂźther, die eifersĂźchtig darauf bedacht sei, die eigene Stellung und ihr soziales Prestige zu verteidigen. Sie praktiziere eine ideologische Abschottung Ăźbertragener Rechte und AnsprĂźche. Fontane zeige eine Standesgesellschaft ohne Zukunftsperspektive. Die teils in den Romanen gespiegelte Durchmischung von Adel und KleinbĂźrgertum verweise auf die Fragilität einer Gesellschaft, die im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung nach einer neuen Bestimmung suche.cite-ref-89[89] Von Schwarzmalerei allerdings distanzierte sich Fontane im Hinblick aufs eigene Werk. In einem Brief an Tochter Martha nahm er fĂźr sich in Anspruch, von Ăbertreibungen frei zu sein, zumal von hässlichen: âIch bin kein Pessimist, gehe dem Traurigen nicht nach, befleiĂige mich vielmehr, alles in jenen Verhältnissen und Prozentsätzen zu belassen, die das Leben selbst seinen Erscheinungen giebt.âcite-ref-90[90]
Passionierter Briefschreiber
Fontanes Briefe und Briefwechsel mit Verwandten, Freunden und Bekannten sind in einer ganzen Reihe von Editionen, die die diversen Briefpartner betreffen, Ăźber das 20. Jahrhundert verteilt erschienen. Allein der Ehe-Briefwechsel mit Emilie umfasst in der Brandenburger Ausgabe drei Bände. Im Vorwort zu den Familienbriefen schrieb der Ehemann der Fontane-Tochter Martha Karl Emil Otto Fritsch, nicht nur der Umfang dieser Korrespondenz sei ungewĂśhnlich, auch Inhalt und Form dĂźrften âeinzig in ihrer Artâ sein. âSo haben viele seiner Briefe bald zu heiteren Feuilletons, bald zu kleinen Essays Ăźber Tagesfragen sich gestaltet; andere gewähren dem Leser Einblicke in seine poetische Werkstatt, noch andere ergehen sich in dĂźsteren Betrachtungen und bitteren Klagen. Alles nur flĂźchtig hingeworfen und aus dem Augenblick geboren, aber alles fesselnd in seiner bezaubernden NatĂźrlichkeit und unerschĂśpflichen GedankenfĂźlle. â Wer den Dichter in seiner innersten Wesenheit kennen lernen will, kann dies am besten an der Hand seiner Briefe erreichen.â Thomas Mann kommentierte eine publizierte Sammlung von Fontane-Briefen 1910: âEs ist etwas unbedingt Zauberhaftes um seinen Stil und namentlich um den seiner alten Tage, wie er uns in den Briefen der achtziger und neunziger Jahre entgegentritt. Mir persĂśnlich wenigstens sei das Bekenntnis erlaubt, dass kein Schriftsteller der Vergangenheit oder Gegenwart mir die Sympathie und Dankbarkeit, dies unmittelbare und instinktmäĂige EntzĂźcken, diese unmittelbare Erheiterung, Erwärmung, Befriedigung erweckt, die ich bei jedem Vers, jeder Briefzeile, jedem Dialogfetzchen von ihm empfinde.âcite-ref-91[91]
Das Briefeschreiben war Fontane ein BedĂźrfnis, so Hans Dieter Zimmermann, er habe die MĂśglichkeit gebraucht, das auszudrĂźcken, was ihn innerlich bewegte. Auf eindrucksvolle Weise zu formulieren, sei ihm als Schriftsteller ein Anliegen gewesen. Wie ihm die Plauderei gefallen habe, habe er auch Weitschweifigkeit geliebt. Seiner Frau, die ihm das einmal vorhielt, antwortete er, dass die von ihm geĂźbte Weitschweifigkeit mit seinen literarischen VorzĂźgen zusammenhänge. âIch behandle das Kleine mit derselben Liebe wie das GroĂe, weil ich diesen Unterschied zwischen klein und groĂ nicht recht gelten lasse; treffe ich aber wirklich einmal auf GroĂes, bin ich ganz kurz. Das GroĂe spricht fĂźr sich selbst; es bedarf keiner kĂźnstlerischen Behandlung, um zu wirken.âcite-ref-92[92] Zimmermann betrachtet Fontanes Schreiben von Briefen als therapeutischen Akt, als das Loswerden von dem, was ihn beschäftigt. âSo kommt es ja auch, dass er in seinen Briefen so offen, ja polemisch mitunter spricht wie nie in seinen Romanen, selten in seinen Kritiken, denn diese treten an die Ăffentlichkeit, auf die er RĂźcksicht nehmen muss.âcite-ref-93[93]
In Briefen urteilt Fontane auch politisch mitunter drastisch. Bismarck bescheinigt er gegenĂźber Tochter Martha grĂśĂte Ăhnlichkeit mit dem schillerschen Wallenstein: âGenie, Staatsretter und sentimentaler Hochverräter. Immer ich, ich, und wenn die Geschichte nicht mehr weiter geht, Klage Ăźber Undank und norddeutsche Sentimentalitätsträne. Wo ich Bismarck als Werkzeug der gĂśttlichen Vorsehung empfinde, beuge ich mich vor ihm; wo er einfach er selbst ist, Junker und Deichhauptmann und Vorteilsjäger, ist er mir gänzlich unsympathisch.â Dem Brief- und Urlaubspartner Georg Friedlaender schrieb er im 1897: âĂber unseren Adel muss hinweggegangen werden; man kann ihn besuchen wie das ägyptische Museum und sich vor Ramses und Amanophis verneigen, aber das Land ihm zuliebe regieren, in dem Wahn, der Adel sei das Land, das ist unser UnglĂźck und solange dieser Zustand fortbesteht, ist an eine Fortentwicklung deutscher Macht und deutschen Ansehens nach auĂen hin gar nicht zu denken.âcite-ref-94[94]
Lebensabend
Wertschätzung fßr den ßber 70-Jährigen
Fontanes 70. Geburtstag wurde am 4. Januar 1890 als gesellschaftliches GroĂereignis mit einem Festessen im Englischen Haus begangen. An Organisation und DurchfĂźhrung beteiligt waren die Vossische Zeitung, der Verein Berliner Presse, Kultusminister Gustav von GoĂler und alte Literaturvereinsfreunde. Adolf von Menzel schickte dem Jubilar ein jugendstilartiges Widmungsbild, das Fontane als von einer Muse gekĂźssten JĂźngling zeigte. Irritiert war dieser davon, dass beim Vortrag seiner Ballade Archibald Douglas in der Vertonung von Carl Loewe ein Teil des Publikums, das sein populärstes Werk offenbar nicht hinreichend kannte, mitten in die Ballade hinein klatschte.cite-ref-97[97] Langfristig von Bedeutung war, dass dem zum 30. Dezember 1889 von seiner Stelle als Theaterkritiker ZurĂźckgetretenen die Vossische seine Dienste mit einer jährlichen Pension von 1500 Mark lohnte, was der ungeschmälerten Fortzahlung seiner KritikerbezĂźge seit 20 Jahren entsprach.cite-ref-98[98]
Fontanes Interesse hatte sich bereits im letzten Jahr seiner Rezensionstätigkeit der neugegrßndeten Freie Bßhne zugewendet, die ihn mit Auffßhrungen von Stßcken wie Henrik Ibsens Gespenster und Gerhart Hauptmanns Vor Sonnenaufgang faszinierte und inspirierte.cite-ref-99[99] Zu seinem 75. Geburtstag wurde ihm erneut eine bedeutende Üffentliche Ehrung zuteil, als ihm auf Initiative Otto Brahms und Paul Schlenthers, unterstßtzt von Theodor Mommsen die Ehrendoktorwßrde durch die Berliner Universität verliehen wurde.cite-ref-100[100]
Gesundheitskrise und Aufbruch zur Autobiographie
Nachdem Fontane und seine Frau Emilie im Februar 1892 ihr Testament unterzeichnet hatten, demzufolge eine dreikĂśpfige Nachlasskommission Ăźber die Art der Verwertung oder Vernichtung nachgelassener Schriften zu befinden haben wĂźrde, erkrankten beide im März schwer an einer Influenza. Fontane verschlimmerte seinen Zustand im April noch dadurch, dass er das verordnete Morphium versehentlich in zehnfacher Ăberdosis einnahm. Da wähnte er sich dem Ende nah. Als der ganze Sommer ohne Besserung vergangen war, unterzog er sich Anfang bis Mitte Oktober einer als âgalvanische Kurâ bezeichneten Elektrotherapie mit Gleichstrom, die ihn anfangs noch zusätzlich schlauchte, bis sich in der zweiten Monatshälfte eine Besserung einstellte.cite-ref-101[101]
Auf Anraten seines Hausarztes begann Fontane Ende Oktober 1892 mit der Niederschrift seiner Kindheitserinnerungen. Ob dieser autobiographische Motivationsschub ihn aus der gesundheitlichen Dauerkrise gefĂźhrt hat, wie er selbst meinte, oder ob es an der Elektrotherapie lag, dass auch diese in seinen Begriffen ungewĂśhnlich ausgedehnte âNervenpleiteâ ein Ende nahm, bleibt offen.cite-ref-102[102]
WidersprĂźchliches gegenĂźber Juden
Fontane unterhielt in Literaturvereinen, in seinem Schriftstellerdasein wie auch privat Ăźber Jahrzehnte teils freundschaftliche Beziehungen zu Juden, zu zum Christentum konvertierten wie zu bekennenden. Anlässlich seines 75. Geburtstags trug er ein Gedicht vor, in dem er in namentlicher GegenĂźberstellung ausfĂźhrte, wer ihm zu diesem Anlass die Ehre des persĂśnlichen Erscheinens erwies â und wer nicht (nämlich die in den Wanderungen von ihm wohlwollend behandelten Vertreter der adligen märkischen Geschlechter wie Jagow, Rochow, Stechow, Bredow u. a. m.): âUnd Ăźber alle habe ich geschrieben. / â Aber die zum Jubeltag da kamen, / das waren doch sehr andre Namen [âŚ]â â und zwar als jĂźdische identifizierbare: âMeyers kommen in Bataillonen, / Auch Pollaks und die noch Ăśstlicher wohnen; /Abram, Isack, Israel, / Alle Patriarchen sind zur Stell, / Stellen mich freundlich an ihre Spitze, / Was sollen mir da noch die Itzenplitze! / Jedem bin ich was gewesen, / Alle haben sie mich gelesen, / Alle kannten mich lange schon, / Und das ist die Hauptsache⌠kommen Sie, Cohn.âcite-ref-103[103] Von der VerĂśffentlichung des Gedichts sah er bei Lebzeiten ab, um den mĂśglichen Eindruck einer Herabsetzung seiner Gäste zu vermeiden.
Andererseits lieĂe sich laut Dieterle ein ganzes Buch mit brieflichen ĂuĂerungen Fontanes zusammenstellen, in denen Fontane sich abfällig Ăźber jĂźdische Zeitgenossen äuĂerte, teils auch zum Missfallen innerhalb seiner Familie: âPapa ist etwas unsicherer Stimmung u. schimpft mehr wie schĂśn ist auf die Judenâ, schrieb Tochter Martha einmal. Der wiederum habe es als Alterserscheinung bezeichnet âso fanatischâ zu werden.cite-ref-104[104] Selbst in einem Brief von 1895 an Georg Friedländer äuĂerte er: âAlle KlĂźngel sind schlimm, aber die JudenklĂźngelei ist die schlimmste. Wie mein GefĂźhl gegen den Agrariergeist beständig wächst, so auch mein GefĂźhl gegen den Judengeist, der was ganz anderes ist als wie die Juden.â Und weiter: âDer Judengeist, der uns 50 Jahre lang beherrscht hat, von Anno 20 bis Anno 70, ist kolossal Ăźberschätzt worden, er representiert eine niedrige Form geistigen Lebens, so niedrig, dass wenn ich jetzt einen klugen Mann, er sei Jude oder Christ, Judenwitze machen hĂśre, ich in seine Seele hinein verlegen bin.â Er hoffe, Friedlaender in Karlsbad zu treffen, um das mit ihm grĂźndlich durchzusprechen.cite-ref-105[105] Fontanes krassester Ausfall findet sich 1898 in einem Brief an den Berliner Universitätsprofessor Friedrich Paulsen, in dem er die Juden als âein schreckliches Volkâ bezeichnet, âdem von Uranfang an etwas dĂźnkelhaftes Niedriges anhaftet, mit dem sich die arische Welt nun mal nicht vertragen kann. Welch ein Unterschied zwischen der christlichen und der jĂźdischen Verbrecherwelt! Und das alles unausrottbarâ.cite-ref-106[106]
Im Ăśffentlichen Raum dagegen, in dem gerade in jenen frĂźhen wilhelminischen Jahren, in denen das jĂźdische Leben aufblĂźhte, während sich zugleich der Antisemitismus in der Gesellschaft etablierte, vertrat Fontane eine andere â als die teils in privaten ĂuĂerungen anzutreffende â Sicht, die er in zwei Essays zur Geltung zu bringen plante, wonach die jĂźdische Gesellschaft etwa die Sitten der deutschen Gesellschaft verfeinert, geläutert und gebessert habe. Die begonnenen Darstellungen Adel und Judentum in der Berliner Gesellschaft (1878) und Die Juden in unserer Gesellschaft blieben allerdings unverĂśffentlicht. Doch auch die engen Beziehungen Fontanes und seiner Familie zu den jĂźdischen Freunden bestanden bis zu Ende fort, so zu den Friedlaenders, den Meyers, den Schlenthers. Beim Zustandekommen der Ehe von Clara Viebig und Friedrich Theodor Cohn war es Fontane, der den Widerstand von Claras Mutter gegen den bekennenden Juden Cohn zu Ăźberwinden wusste. Bei der Heirat des Paares am 24. November 1896 hielt Fontane die Festrede.cite-ref-107[107]
Das Ende vor Augen
Im Vorgriff auf den Abschluss seiner beiden letzten GroĂprojekte, das umfangreiche autobiographische Werk Von Zwanzig bis DreiĂig und den ebenfalls breit angelegten Roman Der Stechlin kommentierte Fontane in Gedichtform: â1200 Seiten auf einmal / Und mit 78 (beinah ein Skandal), / [âŚ] Allerorten umklingt mich wie ein Rauschen im Wald: / âWas du tun willst, tue bald.ââ Diese Zeilen sollten dem Stechlin bei Erscheinen beigelegt werden. Dazu kam es nicht mehr, denn nur die BuchverĂśffentlichung seines zweiten autobiographischen Werkes im Juni 1898 geschah noch zu Fontanes Lebzeiten.cite-ref-108[108] Dem Vorabdruck des Stechlin in dem Unterhaltungsblatt Ăber Land und Meer Ende 1897 hat Fontane immerhin noch beiwohnen kĂśnnen, wofĂźr ihm ein Dankestelegramm der Zeitschrift zuging: âHochverehrter Herr Doktor, intensiv mit allen Ihren Menschen mitlebend, vor allem mit dem alten Freiherrn, am Schlusse im Innersten erschĂźttert, danken wir Ihnen dafĂźr, daĂ Ăber Land und Meer ein solches Werk verĂśffentlichen darf.â Fontane erwiderte: âIhr Telegramm hat mich sehr beglĂźckt. âVerweile doch, Du bist so schĂśnâ, â ich darf es sagen, denn ich sehe den Sonnenuntergang. Herzlichen Dank.âcite-ref-109[109]
Beteiligt hat Fontane sich auch noch an der Auseinandersetzung, wo der am 30. Juli 1898 verstorbene Bismarck begraben werden sollte, ob in der FĂźrstengruft des Berliner Doms oder â wie testamentarisch verfĂźgt â daheim in Friedrichsruh, wofĂźr Fontane, ebenfalls in einem Gedicht, erfolgreich plädierte: âUnd kommen nach dreitausend Jahren / Fremde hier des Weges gefahren / [âŚ] Und staunen der SchĂśnheit und jauchzen froh, / So gebietet einer: âLärmt nicht so; â / Hier unten liegt Bismarck irgendwo.ââcite-ref-110[110]
Am 16. und 19. September 1898 fand das auf zwei Tage verteilte Verlobungsfest der Tochter Martha mit Karl Emil Otto Fritsch statt, fĂźr Fontane ein Zauberfest.cite-ref-111[111] Den Folgetag verbrachte er in Ruhe unter dem Eindruck nachlassender Kräfte, und bei einem von ihm schon länger beobachteten 34er Puls, mit Alltagsbeschäftigungen und der Tochter Martha. Nach 21 Uhr setzte Fontanes Herzschlag aus.cite-ref-112[112] Ăber Begleitumstände seines Todes am 20. September 1898 berichtete Die Neue Freie Presse u. a.: âSeine Gattin war nicht anwesend, da sie in Blasewitz bei Dresden zum Sommeraufenthalte weilt. Fontane hatte seinen Sohn Friedrich heute nach Neu-Ruppin mit einem Kranze fĂźr das Grab seiner Mutter, deren hundertster Geburtstag heute ist, senden wollen; statt dessen reiste Herr Friedrich Fontane nach Blasewitz, um die Mutter zum Sarge des Vaters zu geleiten.âcite-ref-113[113] Emilie, die Fontanes Ableben nach eigenem Bekunden schwerstens traf, äuĂerte sich brieflich immerhin zufrieden Ăźber die späte Anerkennung, die der Gatte ânach einem mĂźhevollen und fleiĂigen Lebenâ errungen hatte und die ihm die letzten Lebensjahre verschĂśnt habe. Sein âwunderbar schĂśner Tod, der kein Sterben war, sondern ein ErlĂśschen noch in voller Kraftâ, habe ihr âjeden Ton der Klage genommen, und wie ich mich glĂźcklich preise, an der Seite dieses seltenen Menschen gelebt zu haben, so auch, dass sein Ende ein so harmonisches war.âcite-ref-114[114]
Als Mitglied der FranzÜsisch-Reformierten Gemeinde wurde Fontane am 24. September 1898 auf deren Friedhof II in Bezirk Mitte beerdigt.cite-ref-115[115] Seine Ehefrau Emilie wurde vier Jahre später an seiner Seite beigesetzt. Sein Grab ist als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet, es befindet sich im Feld B-35/36-16/17. Vermutlich im Jahr 2010, mit der Einrichtung der Fontane-Gedenkstätte wurde auch sein Grab neu gestaltet.cite-ref-116[116]
Rezeptionsaspekte
Als Fontane nach dem Erscheinen von LâAdultera 1882 zunächst Ăśffentliche EmpĂśrung wegen angeblicher Verteidigung des Ehebruchs entgegengeschlagen war, sah sich Tochter Martha in ihrer sehr positiven Einschätzung dieses väterlichen Werkes bestätigt, als Eduard Engel den Roman fĂźr âso berlinisch, so grundwahr, so photographisch ehrlichâ belobigte, dass er âallen Romanciers der Gegenwart und der Zukunft als leuchtendes Beispiel dienen kĂśnnte.â An ihre Mutter gerichtet äuĂerte Martha, sie wĂźnsche sich sehr, âdaĂ Papa nicht nur fĂźr uns, die wir ihn lieben, noch recht lange leben mĂśchte, sondern auch um noch das Viele SchĂśne, was in ihm liegt herauszuschaffen.â Andernfalls sei es doch, âals gingen kostbare Schätze auf immer verloren.âcite-ref-117[117]
Konrad Alberti wĂźrdigte anlässlich des 70. Geburtstags Fontanes âsozial-realistische Kunstâ mit der âFähigkeit, soziale, ethnologische Typen zu schaffenâ und âdas spezifisch Berlinische in Tonfarbe, Stimmung und Zeichnung der Charaktere auszudrĂźcken.â Als Realist, Erzähler und sozialer Schilderer stehe Fontane auf einer Stufe âmit den grĂśĂten Meisternâ wie Turgenjew, Tolstoi und Ibsen.cite-ref-118[118] Sigmund Schott befand im Sommer 1998 in der Neuen ZĂźrcher Zeitung, Fontane sei seit Irrungen Wirrungen, Frau Jenny Treibel und Effi Briest âunbestritten zu den ersten unserer zeitgenĂśssischen Autorenâ aufgestiegen. Auch seine Lebenserinnerungen (Von Zwanzig bis DreiĂig) seien eine âungemein fesselndeâ und unkonventionelle LektĂźre mit einer âFĂźlle von bemerkenswerten, weisen und humorvollen ĂuĂerungen.âcite-ref-119[119]
Thomas Mann bekannte in einer Umfrage anlässlich der Einweihung des Fontane-Denkmals im Tiergarten 1910 in Bezug auf dessen Literatur: âUnendliche Liebe, unendliche Sympathie und Dankbarkeit, ein GefĂźhl tiefer Verwandtschaft.â Die Titelgebung zu den Buddenbrooks steht fĂźr eine Reminiszenz an Effi Briest: Buddenbrook heiĂt der Duell-Sekundant von Effis Liebhaber Crampas.cite-ref-120[120] Kurt Tucholsky lobte Fontane aus Anlass von dessen 100. Geburtstag 1919 als einen âder gewiegtesten Techniker, die die deutsche Literatur je gehabt hat, ohne dass man Versen und Sätzen ansieht, wie sie gebosselt sind [âŚ] Und das Leben auf der groĂen WeltbĂźhne rauschte vorbei, umbrauste ihn, und er lächelte. [âŚ] In seinen Augen lag immer das gewisse leichte Zwinkern, der kleine Berliner Plinzler, der die MĂśglichkeit zum RĂźckzug offen lässt, und der deshalb jedes Pathos erträglich macht â weil man weiĂ: der bullert keinen Theaterdonner.âcite-ref-121[121] FĂźr Gordon A. Craig war Fontane der grĂśĂte deutsche Romancier vor Thomas Mann, âein Meister des Aufbaus, ein unvergleichlicher Stilist und der SchĂśpfer unvergeĂlicher Porträts, vor allem von Frauen, die persĂśnliche Lauterkeit und Zivilcourage mit SchĂśnheit, Witz und Verstand verbinden.âcite-ref-122[122]
Die aus Anlass des 100. Todestags erschienene Schrift zum Thema Fontane und die Judenfragecite-ref-123[123] lĂśste eine Forschungsdebatte Ăźber eine antisemitische Einstellung Fontanes aus. Der Zeithistoriker Wolfgang Benz kam zu dem Ergebnis, dass Fontane als Schriftsteller die verbreiteten Feindbilder und Vorurteile geteilt und transportiert habe, ohne als engagierter Antisemit in Erscheinung zu treten.cite-ref-124[124]
GĂźnther RĂźther urteilte 2019: âDie WĂźrdigung, die Fontane nach seinem Tod erfahren hat und bis heute erfährt, liegt jenseits dessen, was er sich vorzustellen vermocht hat. Er zählt zu den ganz GroĂen der deutschen Literatur.âcite-ref-125[125] Iwan-Michelangelo DâAprile hält Fontane fĂźr nicht eben zuverlässig bezĂźglich seiner autobiographischen AuskĂźnfte, Briefe und TagebĂźcher, die von âStilisierungen, Verschleierungen und Versteckspielenâ wimmelten. Ein origineller Schriftsteller sei er jedoch allemal. Fontane kĂśnne im Anschluss an Manuela GĂźnter auch als Reporter und Zeithistoriker seines Jahrhunderts verstanden werden, der den vielstimmigen Ăśffentlichen Diskurs in seiner Literatur gewissermaĂen verdoppelt und verdichtet habe. Interessant wird der Autor Fontane fĂźr DâAprile âsowohl als Diagnostiker wie als Symptom der WidersprĂźche und Ungleichzeitigkeiten seines bewegten Jahrhunderts.âcite-ref-126[126] Regina Dieterle schlieĂt, man kĂśnne Fontanes âkunstvoll zurechtgemodelteâ Autobiografie als âBruchstĂźcke einer groĂen Konfessionâ lesen. Der junge Fontane sei bei allem ZĂśgern und Zaudern âkecker, forscher, libertinärerâ gewesen, als der alte ihn erzähle. âDie Romane als groĂe psychologische Charakterstudien wissen davon, in ihnen haben wir den ganzen Fontane. Aber nicht das ganze Werk, dieses weite Feld.âcite-ref-127[127]
Nachlass
Der Nachlass Fontanes befand sich nach seinem Tod im Besitz der Familie und wurde von einer testamentarisch eingesetzten Kommission verwaltet. Letztere kam allerdings zunächst nur mit Einwilligung Emilie Fontanes zum Zuge und sodann nach ihrem Tod. Die Witwe lieĂ sich die grĂźndliche eigenhändige Sichtung der unter dem Dach provisorisch in allerlei Behältnissen (oder auch ohne diese) gelagerten âprall gefĂźllten Mappenâ nicht nehmen. Sie folgte dabei ihren eigenen Vorstellungen vom literarischen Wert der handschriftlichen EntwĂźrfe, Romankonzepte und -fragmente, literaturkritischen Arbeiten und der vorgefundenen enormen Briefbestände. In dem Bestreben, ein bereinigtes Fontane-Bild zu Ăźberliefern, verbrannte sie bereits bei der ersten Durchsicht die Briefe wichtiger Korrespondenzpartner, aber auch zum Teil EntwĂźrfe und unfertige Manuskripte. Nach dem Tod Emilie Fontanes gingen die Besitz- und Urheberrechte am Fontane-Nachlass laut Testament gleichmäĂig auf alle Kinder Ăźber. Dies fĂźhrte zu seiner Zersplitterung und Manipulation im Wechselspiel verlegerisch-finanzieller, wissenschaftlich-editorischer und familiärer Interessen. Der ursprĂźngliche Textbestand unterlag in dieser personellen Konstellation einer rigiden Zensur, verbunden mit stilistischen Bearbeitungen der Briefe, Datums- und Adressatenänderungen, Auslassungen sowie Fälschungen von Wortlaut und Zusammenhängen, indem Partien unterschiedlicher Briefe neu montiert wurden.cite-ref-128[128]
Angetrieben von der Ăśffentlichen Meinungcite-ref-129[129] ĂźberlieĂen die Erben Fontanes Schreibtisch mit Manuskripten der zu Lebzeiten gedruckten Erzählwerke dem Märkischen Museum in Berlin â als âGeschenk des Dichtersâ, wie es im Zugangsbuch des Museums heiĂt.cite-ref-130[130] Der Architekt des Märkischen Museums Ludwig Hoffmann gestaltete im Märkischen Museum 1908 ein Fontane-Zimmer. Nahezu alle MĂśbel des Zimmers, darunter auch der Schreibtisch, gingen 1945 oder später an ihrem Auslagerungsort im Schloss Lagow verloren. Nach einer Neubewertung Fontanes in der DDR zeigte das Museum in den Jahren 1966â1975 noch einmal ein nachempfundenes Fontane-Zimmer mit restlichen Originalen.cite-ref-131[131] Die Sammlung zur Literaturgeschichte der 1995 errichteten Stiftung Stadtmuseum Berlin, zu der u. a. das âMärkische Museumâ gehĂśrt, ist heute im Besitz des um Kriegsverluste verringerten Teilnachlasses, der etwa noch 10000 handschriftliche Blätter umfasst.cite-ref-132[132]
Nachdem Verhandlungen mit der PreuĂischen Staatsbibliothek bzw. der Bibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität Ăźber einen Ankauf an unvereinbaren Preisvorstellungen gescheitert waren, kam es am 9. Oktober 1933 zur Versteigerung des im Familienbesitz verbliebenen Teilnachlasses Fontanes durch das Auktionshaus Meyer & Ernst. Den umfangreichen nicht veräuĂerten Rest (ca. Dreiviertel des bei der Auktion Angebotenen) ordnete und ergänzte durch RĂźckerwerbungen sein einziger noch lebender Sohn Friedrich.cite-ref-133[133] Im Jahre 1935 erwarb die Provinz Brandenburg diesen Teilnachlass mitsamt der vom Sohn angelegten Sammlung sowie den seinen Vater betreffenden Teil seines Verlagsarchivs und grĂźndete das Theodor-Fontane-Archiv als Literaturarchiv der Provinz Brandenburg in Potsdam,cite-ref-134[134] das seit der Wiedervereinigung als bundesweit einzige Ăśffentliche Einrichtung die Fontane-Autographe sammelt.
Bedeutende Teilsammlungen entstanden auĂerdem in der Staatsbibliothek zu Berlin, die etwa den grĂśĂten Teil von Fontanes Briefen sowie die 67 NotizbĂźcher Fontanes, die unvollendet gebliebenen Erzählfragmente sowie das âMathilde MĂśhringâ-Manuskript besitzt,cite-ref-135[135] und im Deutschen Literaturarchiv Marbach.cite-ref-136[136] EinzelstĂźcke befinden sich in vielen deutschen und internationalen Bibliotheken und Archiven,cite-ref-137[137] z. B. in der Bayerischen Staatsbibliothek und in der Monacensia der MĂźnchner Stadtbibliothek.cite-ref-138[138]
Im Laufe von 35 Jahren trug Christian Andree eine Sammlung von Ăźber 6000 Originalhandschriften Fontanes zusammen, die er 1997 dem Theodor-Fontane-Archiv verkaufte.
Fontane-Institutionen
Das 1935 gegrßndete Theodor-Fontane-Archiv ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Universität Potsdam. Das Archiv betreibt Grundlagenforschung, veranstaltet Editionen, lädt zu Symposien ein und initiiert, fÜrdert und veranstaltet wissenschaftliche Forschungsprojekte.cite-ref-139[139]
Am 15. Dezember 1990 wurde die internationale Theodor Fontane Gesellschaft als literarische Vereinigung in Potsdam gegrĂźndet. Sie hat ihren Sitz in Neuruppin, der Geburtsstadt Theodor Fontanes. Die Gesellschaft will Wissenschaftler und Literaturliebhaber zusammenfĂźhren, um in vielfältiger Weise die Beschäftigung mit Leben und Werk Theodor Fontanes zu pflegen und zu fĂśrdern. Mit ihren etwa 800 Mitgliedern gehĂśrt sie inzwischen zu den grĂśĂten literarischen Gesellschaften Deutschlands.cite-ref-140[140]
2010 wurde die Theodor Fontane-Arbeitsstelle an der Universität GĂśttingen gegrĂźndet, um digitale und analoge Editionsprojekte interdisziplinär zu erarbeiten. Die grĂśĂte editionswissenschaftliche Fontane-Forschungsstelle widmet sich auĂerdem der NachwuchsfĂśrderung und bietet editionswissenschaftliche (Fontane-)Seminare an.cite-ref-141[141]
Werke
Theodor Fontane schrieb neben literarischen Werken auch als Journalist (zumal fĂźr die Kreuzzeitung) und Ăźbersetzte 1842 Shakespeares Hamlet. Dazu kamen noch Dramen, Gedichte, Biografien, KriegsbĂźcher, Briefe, TagebĂźcher, Theaterkritiken, Zeitungsartikel und programmatische Schriften.
Romane, Novellen, Erzählungen und andere Prosa
Die Daten richten sich nach dem Impressum der ersten Buchausgabe.
⢠Ein Sommer in London. Verlag der Gebrßder Katz Dessau 1854 (Digitalisat)
⢠Aus England. Studien und Briefe ßber Londoner Theater, Kunst und Presse. Verlag von Ebner & Seubert, Stuttgart 1860 (Digitalisat)
⢠Jenseit des Tweed. Bilder und Briefe aus Schottland. Verlag Springer, Berlin 1860 (Digitalisat)
⢠Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Verlag Wilhelm Hertz, Berlin 1862 (Digitalisat â späterer Untertitel: Die Grafschaft Ruppin)
⢠Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Zweiter Theil: Das Oderland. Barnim. Lebus. Verlag Wilhelm Hertz, Berlin 1863 (Digitalisat)
⢠Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Dritter Theil: Ost-Havelland. Die Landschaft um Spandau, Potsdam, Brandenburg. Verlag Wilhelm Hertz, Berlin 1873 (Digitalisat)
⢠Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Vierter Theil: Spreeland. Beeskow-Storkow und Barnim-Teltow. Verlag Wilhelm Hertz, Berlin 1882 (Digitalisat)
⢠Der Schleswig-Holsteinische Krieg im Jahre 1864, Verlag der KÜniglichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1866 (Digitalisat)
⢠Der Deutsche Krieg von 1866, 2 Bände, Verlag der KÜniglichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1871.
⢠Kriegsgefangen. Erlebtes 1870. Verlag der KÜniglichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1871. (Digitalisat)
⢠Aus den Tagen der Occupation. Eine Osterreise durch Nordfrankreich und ElsaĂ-Lothringen 1871. Band 1. Verlag der KĂśniglichen Geheimen Hofdruckerei, Berlin 1871. (Digitalisat)
⢠Aus den Tagen der Occupation. Eine Osterreise durch Nordfrankreich und ElsaĂ-Lothringen 1871. Band 2. Verlag der KĂśniglichen Geheimen Hofdruckerei, Berlin 1871. (Digitalisat)
⢠Der Krieg gegen Frankreich 1870â1871 Band 1: Der Krieg gegen das Kaiserreich. Bis Gravelotte, 18. August 1870. Verlag der KĂśniglichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1873 (Digitalisat)
⢠Der Krieg gegen Frankreich 1870â1871 Band 2: Der Krieg gegen das Kaiserreich. Der Krieg gegen die Republik. Orleans bis zum Einzuge in Berlin. Verlag der KĂśniglichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1873 (Digitalisat)
⢠Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812 auf 13. 1878 (online)
⢠Grete Minde. Nach einer altmärkischen Chronik. Verlag Wilhelm Hertz, Berlin 1880 (online)
⢠Ellernklipp. Nach einem alten Harzer Kirchenbuch. Verlag Wilhelm Hertz, Berlin 1881 (online)
⢠LâAdultera. Roman aus der Berliner Gesellschaft. Verlag Schottländer, Berlin 1882 (online) Digitalisierung: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2020. URN urn:nbn:de:kobv:109-1-15423611
⢠Schach von Wuthenow. Erzählung aus der Zeit des Regiments Gensdarmes. Verlag Friedrich, Leipzig 1883 (Digitalisat)
⢠Graf PetÜfy. Roman. Verlag F. Fontane & Co., Berlin 1884 (Ausgabe von 1890 Digitalisat)
⢠Christian Friedrich Scherenberg und das literarische Berlin von 1840 bis 1860. Verlag Wilhelm Hertz, Berlin 1884 (Digitalisat)
⢠Unterm Birnbaum. Kriminalgeschichte. G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1885 (Digitalisat)
⢠CÊcile. Roman. Verlag Dominik, Berlin 1887 (online)
⢠Irrungen, Wirrungen. Berliner Roman. Verlag von F. W. Steffens, Berlin 1888 (Digitalisat)
⢠FĂźnf SchlĂśsser. Altes und Neues aus Mark Brandenburg. J. G. Cottaâsche Buchhandlung, Stuttgart 1889 (Digitalisat)
⢠Stine. Berliner Sitten-Roman. Verlag F. Fontane & Co., Berlin 1890 (online)
⢠Quitt. Verlag Wilhelm Hertz, Berlin 1891 (online)
⢠Unwiederbringlich. Verlag Wilhelm Hertz, Berlin 1892 (online)
⢠Frau Jenny Treibel oder Wo sich Herz zum Herzen findât. Verlag F. Fontane & Co., Berlin 1893 (Digitalisat Ausgabe 1915)
⢠Meine Kinderjahre. Autobiographischer Roman. Verlag F. Fontane & Co., Berlin 1894 (Digitalisat)
⢠Effi Briest. Roman. Verlag F. Fontane & Co., Berlin 1896 (Digitalisat)
⢠Die Poggenpuhls. Roman. Verlag F. Fontane & Co., Berlin 1896 (online) Digitalisierung: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2020. URN urn:nbn:de:kobv:109-1-15423623
⢠Von Zwanzig bis DreiĂig. Autobiographisches. Verlag F. Fontane & Co., Berlin 1898 (online)
⢠Der Stechlin. Roman. Verlag F. Fontane & Co., Berlin 1899 (Digitalisat)cite-ref-142[142]
Herausgeberschaft
1851 gab Fontane im Berliner Verlag von Otto Janke eine Gedicht-Anthologie u. d. T. Deutsches Dichter-Album heraus. 1857 erschien im Berliner Verlag J. Bachmann eine von Fontane Ăźberarbeitete Neuauflage des Buches.
⢠Deutsches Dichter-Album, 2. unveränderte Auflage. Berlin, 1852. Digitalisat
⢠Deutsches Dichter-Album, 5. vermehrte Auflage. Berlin, 1862. Digitalisat
Auf Initiative der literarischen Vereinigung Rßtli und gemeinsam mit Franz Kugler gab Fontane im Verlag der Gebrßder Katz ein Jahrbuch heraus; an dessen späteren Jahrgängen (1857 bis 1860) war er als Mitautor beteiligt.
⢠Argo. Belletristisches Jahrbuch fßr 1854. Dessau, 1854. Digitalisat
Editionen aus dem Nachlass
⢠Causerien ßber Theater. Hrsg.: Paul Schlenther. Verlag F. Fontane, Berlin 1905.
⢠Aus dem NachlaĂ. Hrsg. von Josef Ettlinger. Verlag F. Fontane, Berlin 1908. Darin:
⢠Mathilde MÜhring. In: Aus dem Nachlaà von Theodor Fontane. Verlag F. Fontane., Berlin 1908 (Digitalisat)
⢠Reisebriefe vom Kriegsschauplatz BÜhmen 1866. Hrsg. von Christian Andree. Propyläen Verlag, Berlin, Wien 1973.
⢠Zwei Post-Stationen. Faks. der Handschrift. Hrsg. von Jochen Meyer. Deutsche Schillergesellschaft, Marbach 1991. (Marbacher Schriften. 34.)
⢠Unechte Korrespondenzen. Hrsg. von Heide Streiter-Buscher. 2 Bände de Gruyter, Berlin und New York 1996. (Schriften der Theodor Fontane Gesellschaft. Band 1.1-1.2.) â Band 1: 1860â1865; Band 2: 1866â1870, ISBN 3-11-014076-4.
Balladen und Gedichte
Fontane schrieb Ăźber 250 Gedichte, darunter Balladen und SprĂźche. Dazu gehĂśren:
⢠Archibald Douglas (1854)
⢠Die zwei Raben (1855)
⢠Das Trauerspiel von Afghanistan (1859)cite-ref-143[143]
⢠Gorm Grymme (1864)
⢠Die BrĂźckâ am Tay (1880)
⢠John Maynard (1885)
⢠Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland (1889)
Als Buchausgaben erschienen zu Fontanes Lebzeiten:
⢠Männer und Helden. Acht PreuĂenlieder. Druck und Verlag von A. W. Hayn. Berlin 1850
⢠Von der schÜnen Rosamunde. Gedicht [Romanzenzyklus]. Verlag von Moritz Katz. Dessau 1850
⢠Gedichte. [1. Aufl.] Carl Reimarusâ Verlag W. Ernst, Berlin 1851, Digitalisat
⢠Balladen. Verlag Wilhelm Hertz, Berlin 1861, Digitalisat
⢠Gedichte. Verlag von Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung). Berlin
⢠2. verm. Aufl. 1875
⢠3. verm. Aufl. 1889
⢠4. verm. Aufl. 1892
⢠5. verm. Aufl. 1898 [= Ausgabe letzter Hand]
Briefe
⢠Der Briefwechsel von Theodor Fontane und Paul Heyse 1850â1897. Hrsg. von Erich Petzet. Weltgeist-BĂźcher, Berlin 1929.
⢠Briefe an Georg Friedlaender. Hrsg. und erläutert von Kurt Schreinert. Quelle & Meyer, Heidelberg 1954.
⢠Briefe. Hrsg. von Kurt Schreinert. Zu Ende gefĂźhrt und mit einem Nachwort versehen von Charlotte Jolles (Band 1: An den Vater, die Mutter und die Frau; Band 2: An die Tochter und an die Schwester; Band 3: An Mathilde von Rohr; Band 4: An Karl und Emilie ZĂśllner und andere Freunde). Propyläen, Berlin 1968â1971.
⢠Briefe an Julius Rodenberg. Eine Dokumentation. Hrsg. von Hans-Heinrich Reuter. Aufbau, Berlin und Weimar 1969.
⢠Theodor Fontane: Briefe an Hermann Kletke. In Verbindung mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach a. N. herausgegeben von Helmuth Nßrnberger. Carl Hanser Verlag, Mßnchen 1969.
⢠Der Briefwechsel zwischen Theodor Fontane und Paul Heyse. Hrsg. von Gotthard Erler. Aufbau, Berlin und Weimar 1972.
⢠Theodor Fontane: Briefe an Wilhelm und Hans Hertz 1859â1898. Herausgegeben von Kurt Schreinertâ , vollendet und mit einer EinfĂźhrung versehen von Gerhard Hay. Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1972. ISBN 3-12-902670-3.
⢠Mete Fontane: Briefe an die Eltern 1880â1882. Hrsg. und erl. von Edgar R. Rosen. 1974.
⢠Briefe, Band 1â5 (Bd. 5: Register). Hrsg. von Helmuth NĂźrnberger u. a., Hanser, MĂźnchen 1976â1988. Auch als: Briefe, Band IâIV. Frankfurt am Main / Ullstein, Berlin 1987. (Ullstein Buch 4549â4552), ISBN 3-548-04552-9 [satzspiegelidentisch mit der Hanser-Ausg.].
⢠Theodor Fontane: Jenseits von Havel und Spree. Reisebriefe. Hrsg. von Gotthard Erler. Rßtten & Loening, Berlin 1984.
⢠Die Fontanes und die Merckels. Ein Familienbriefwechsel 1850â1870. Hrsg. von Gotthard Erler. 2 Bände Aufbau, Berlin und Weimar 1987.
⢠Theodor Fontanes Briefwechsel mit Wilhelm Wolfsohn. Hrsg. von Christa Schultze. Aufbau, Berlin und Weimar 1988.
⢠Theodor Fontane: Briefe an den Verleger Rudolf von Decker. Mit sämtlichen Briefen an den Illustrator Ludwig Burger und zahlreichen weiteren Dokumenten. Herausgegeben von Walter Hettchw. R. v. Decker Verlag, G. Schenck, Heidelberg 1988. ISBN 3-7685-2188-5.
⢠Theodor Fontane: Briefe an Georg Friedlaender. Aufgrund der Edition von Kurt Schreinert u. der Handschriften neu hrsg. u. mit einem Nachw. vers. von Walter Hettche. Mit einem Essay von Thomas Mann. Insel, Frankfurt am Main 1994 (insel taschenbuch 1565, ISBN 3-458-33265-0).
⢠Emilie und Theodor Fontane: Der Ehebriefwechsel. Hrsg. von Gotthard Erler unter Mitwirkung von Therese Erler. 3 Bde. Aufbau-Verlag Berlin 1998 (GroĂe Brandenburger Ausgabe). ISBN 3-351-03133-5.
⢠Dichterfrauen sind immer so. Der Ehebriefwechsel 1844â1857.
⢠Geliebte Ungeduld. Der Ehebriefwechsel 1857â1871.
⢠Die Zuneigung ist etwas Rätselvolles. Der Ehebriefwechsel 1873â1898.
⢠Theodor Fontane und Martha Fontane â Ein Familienbriefnetz. Hrsg. von Regina Dieterle. de Gruyter, Berlin und New York 2002, Schriften der Theodor Fontane Gesellschaft, Band 4, ISBN 3-11-015881-7.
⢠Theodor Fontane und Bernhard von Lepel. Der Briefwechsel. Kritische Ausgabe. Band 1â2. Hrsg. von Gabriele Radecke. de Gruyter, Berlin und New York 2006, Schriften der Theodor Fontane Gesellschaft, Band 5, ISBN 3-11-016354-3.
⢠Theodor Fontane und Wilhelm Wolfsohn â eine interkulturelle Beziehung. Briefe, Dokumente, Reflexionen. Hrsg. von Hanna Delf von Wolzogen und Itta Shedletzky. Bearb. von Hanna Delf von Wolzogen, Christine Hehle und Ingolf Schwan. Mohr Siebeck, TĂźbingen 2006, ISBN 3-16-148720-6.
⢠Theodor Storm â Theodor Fontane. Briefwechsel. Krit. Ausgabe. Hrsg. von Gabriele Radecke. Erich Schmidt, Berlin 2011, ISBN 978-3-503-12280-6.
NotizbĂźcher
⢠Die erste Gesamtedition der 67 Notizbßcher Fontanes wird an der Theodor Fontane-Arbeitsstelle unter der Leitung von Gabriele Radecke in Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek als digitale Edition im Fontane-Editions-Portalcite-ref-144[144] und als Buch-Edition erarbeitet.cite-ref-145[145]
TagebĂźcher
⢠TagebĂźcher. Band 1: 1852, 1855â1858, hrsg. von Charlotte Jolles unter Mitarbeit von Rudolf Muhs; Band 2: 1866â1882, 1884â1898, hrsg. von Gotthard Erler unter Mitarbeit von Therese Erler, Aufbau-Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-351-03100-9.
Theaterkritiken
⢠Theaterkritik 1870 bis 1894 vier Bände, hrsg. von Debora Helmer und Gabriele Radecke. Aufbau-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-351-03737-6.
Digitale Werk-Ausgabe
⢠Theodor Fontane: Werke, Textauswahl Mathias Bertram, Directmedia Publishing, Berlin 2004, ISBN 3-89853-406-5.
Editionen
Gesamtausgaben
Die erste groĂe Gesamtausgabe der Werke Fontanes erschien zwischen 1905 und 1910 im Verlag seines Sohnes Friedrich Fontane in 21 Bänden. Herausgeber waren der Nachlassverwalter Paul Schlenther, Otto Pniower und Josef Ettlinger. Diese Ausgabe war weder auf Vollständigkeit angelegt noch textkritisch fundiert oder kommentiert. Sie bildete dennoch fĂźr Jahrzehnte die Grundlage fĂźr eine wissenschaftliche Beschäftigung mit Fontane.
Erst die von Kurt Schreinert verantwortete Ausgabe Sämtliche Werke, die in 24 Bänden zwischen 1959 und 1975 in der Nymphenburger Verlagsanstalt Mßnchen von Edgar Groà herausgegeben wurde, strebte Vollständigkeit an und erschloss erstmals auch das umfangreiche kritisch-journalistische Werk Fontanes.
Ihr schlieĂen sich an die Edition der Werke, Schriften und Briefe Fontanes von Walther Keitel und Helmuth NĂźrnberger im MĂźnchener Hanser-Verlag, die 1997 abgeschlossen wurde und fĂźnf Abteilungen mit mehreren Bänden umfasst, sowie die von Gotthard Erler 1994 begrĂźndete und herausgegebene GroĂe Brandenburger Ausgabe, von der bislang die Wanderungen durch die Mark Brandenburg (8 Bände), die Gedichte (3 Bde.), der Ehebriefwechsel (3 Bde.), Tage- und ReisetagebĂźcher (3 Bde.) und Das erzählerische Werk (20 Bde.) vorliegen. Die Abteilung Das erzählerische Werk wurde im Theodor-Fontane-Archiv von Christine Hehle koordiniert und editorisch betreut.
Seit 2010 wird die GroĂe Brandenburger Ausgabe unter der wissenschaftlichen Leitung und Herausgeberschaft von Gabriele Radecke und Heinrich Detering an der Theodor Fontane-Arbeitsstelle der Universität GĂśttingen fortgefĂźhrt. Die Abteilungen Das autobiographische Werk, Das reiseliterarische Werk und Das kritische Werk werden zurzeit von einem interdisziplinären Team erarbeitet.cite-ref-146[146]
Am 15. Juli 2015 wurde das erste wissenschaftliche Fontane-Editions-Portal freigeschaltet, in dem sukzessive Fontanes 67 Notizbßcher ediert werden. Das Portal wurde von Mathias GÜbel an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek GÜttingen in Zusammenarbeit mit der Theodor Fontane-Arbeitsstelle entwickelt; die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert das Projekt.cite-ref-147[147]
Fontane Online
Die Recherche zu Fontanes umfangreichem Werk ist bislang erschwert durch die physische und digitale Zerstreuung seines Nachlasses. Briefe, Notizen, Handschriften und Erstdrucke befinden sich weltweit in verschiedenen Archiven und Bibliotheken. Das Internet-Portal Fontane Onlinecite-ref-148[148] bĂźndelt diese Angebote und bereitet die Entstehungsgeschichte der Werke Fontanes auf â von der Idee Ăźber die Recherche und Niederschrift bis zu den Erstdrucken in Journalen und BĂźchern. Ausgehend von dieser Systematik fĂźhren Links zu den verschiedenen Internetportalen, zum Beispiel der Staatsbibliothek zu Berlin, des Theodor-Fontane-Archivs und des Stadtmuseums Berlin sowie zur digitalen Edition von Theodor Fontanes NotizbĂźchern.cite-ref-149[149]
Ehrungen
Zu Lebzeiten
Theodor Fontane erhielt den Hausorden der Wendischen Krone (April 1871) und den Roten Adlerorden. Auf Vorschlag von Theodor Mommsen und Erich Schmidt wurde er Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin.
Gedenkstätte
Auf dem Friedhof der franzĂśsisch-reformierten Gemeinde zu Berlin an der LiesenstraĂe befindet sich eine Gedenkstätte mit Informationen Ăźber Fontanes hugenottische Herkunft, seine Jugend, sein Leben und sein Werk.cite-ref-pz-150-0[150]
Denkmale
Das Fontane-Denkmal von Max Wiese aus dem Jahr 1907 befindet sich am Fontaneplatz in Fontanes Heimatstadt Neuruppin. Es zeigt Fontane als Wanderer, der sich auf einer Bank ausruht. Max Klein schuf 1908 als sein letztes Werk ein Fontane-Denkmal, das nach seinem Tod von Fritz Schaper vollendet und 1910 im Berliner Tiergarten enthßllt wurde. Dort steht heute eine Kopie aus Kunststein, während sich das Original im Märkischen Museum befindet. Fontane ist hier stehend dargestellt, er hält einen Hut in der Hand.
Der Bildhauer Dietrich Rohde konzipierte einen stehenden Fontane, der in einer Hand ein aufgeschlagenes Buch hält.cite-ref-151[151] Diese Statue ist wenig bekannt, weil sie auf dem Gelände eines Resorts am Schwielowsee steht.cite-ref-152[152] Auch die moderne Skulptur Fontane von Matthias Zågon Hohl-Stein (2007)cite-ref-153[153] ist kaum bekannt. Sie steht auf dem Gelände eines Seehotels in Neuruppin.
Die Fontane-Bßste von Peter Fritzsche existiert in zwei Ausfertigungen: Der erste Guss (1978) wurde in Bad Freienwalde aufgestellt, der zweite (1980) wurde 1985 vor dem Theodor-Fontane-Archiv in Potsdam enthßllt und dann noch zweimal versetzt, an den jeweils neuen Standort des Archivs.cite-ref-154[154] Vor der Theodor-Fontane-Grundschule in Ludwigsfelde steht ebenfalls eine Fontane-Bßste. Das Denkmal vor der Fontane-Apotheke in Letschin, die von 1838 bis 1850 Fontanes Vater gehÜrte,cite-ref-155[155] stellt Fontane als jungen Mann dar. Es ähnelt einer Bßste, jedoch fehlt hier die Schulterpartie.
Gedenktafeln
Am Fontane-Geburtshaus in Neuruppin (LĂśwen-Apotheke, Karl-Marx-StraĂe 84) ist eine Gedenktafel angebracht. Weitere Gedenktafeln befinden sich in SwinemĂźnde, an der Adler-Apotheke in Leipzig, in der Fontane 1841/42 als Apothekergehilfe tätig war, und an dem ehemaligen Ărztewohnheim in Berlin-Kreuzberg (Mariannenplatz 1â3), in dem er 1848/49 als Apotheker wohnte.
Einige Gedenktafeln erinnern an einen kurzen Aufenthalt Fontanes in einem Haus oder an einem Ort. Ein Beispiel ist eine Gedenktafel, die die Theodor Fontane Gesellschaft im Jahr 2004 am ehemaligen Hotel Rasch in Flensburg anbringen lieĂ. Sie erinnert daran, dass Fontane im Mai und September 1864 in diesem Haus zu Gast war, als er Reisen nach Dänemark und Schleswig-Holstein unternahm.cite-ref-156[156]
Fontane-Apotheke in Berlin-Kreuzberg
Im Erdgeschoss des Bethanien in Berlin-Kreuzberg befindet sich die historische Theodor-Fontane-Apotheke mit originaler Ausstattung. Hier arbeitete Fontane 1848/49 als Apotheker und bildete Apothekerinnen aus. Die Apotheke gehĂśrt heute zum FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum.cite-ref-157[157]
Fontane als Namensgeber
Nach Theodor Fontane sind mehrere deutsche Kunst- bzw. Literaturpreise sowie die von Paul Matzdorf gestaltete und seit 1911 verliehene Fontane-Plakette benannt.cite-ref-159[159]
Zu Ehren des Schriftstellers erhielt eine 2003 erstbeschriebene, nur im GroĂen Stechlinsee vorkommende Fischart, die Stechlin-Maräne, den wissenschaftlichen Namen Coregonus fontanae.
Theodor Fontane diente als Namenspatron fĂźr die Sendung Theodor â Das Magazin aus Brandenburg mit âGeschichte(n) aus der Markâ,cite-ref-160[160] die von 2008 bis 2017 vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) produziert wurde.cite-ref-161[161]
Das Kulturzentrum des Märkischen Viertels in Berlin heiĂt Fontane-Haus.
Am 5. Oktober 1998 wurde der Asteroid (8667) Fontane nach ihm benannt.
Briefmarken, GedenkmĂźnze
Verschiedentlich erschienen Briefmarken zu Ehren Theodor Fontanes: 1952 eine 8-Pfennig-Briefmarke aus der Serie Männer aus der Geschichte Berlins der Deutschen Post Berlin, am 5. Februar 1969 anlässlich seines 150. Geburtstags eine 40-Pfennig-Briefmarke der Deutschen Post der DDR, 1970 eine 20-Pfennig-Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin, 1994 anlässlich des 175. Geburtstags eine 1-DM-Sonderbriefmarke der Deutschen Bundespost. Mit dem Erstausgabetag 5. Dezember 2019 gab die Deutsche Post AG anlässlich des 200. Geburtstags eine 155-Eurocent-Sonderbriefmarke heraus.cite-ref-162[162]
Zum 17. November 1969 gab die Deutsche Bundesbank eine 5-DM-GedenkmĂźnze heraus.
Veranstaltungen
Seit 2010 veranstaltet die Stadt Neuruppin alle zwei Jahre während der Pfingsttage ihre Fontane-Festspiele Neuruppin.cite-ref-163[163]
Im Mai 2016 installierte der KĂźnstler Ottmar HĂśrl 400 gelbe und dunkelgraue Fontane-Figuren aus Kunststoff auf dem Vorplatz der Kulturkirche St. Marien in Neuruppin.cite-ref-164[164] Die Aktion mit dem Titel Theodor Fontane â Wanderer zwischen den Welten dauerte zwei Wochen.cite-ref-165[165] Eine der gelben Figuren tauchte 2019 in Berlin-Buch wieder auf, wo zum Fontane-Jahr eine Ausstellung gestaltet wurde.cite-ref-166[166]
Das Fontane-Jahr 2019 wurde mit einer groĂen Zahl von Veranstaltungen, Aktionen und Angeboten gefeiert, insbesondere in ganz Brandenburg unter dem Motto âfontane.200â.cite-ref-167[167] Detlev Glanert komponierte nach Motiven aus einem Novellenfragment Fontanes die Oper Oceane, die an der Deutschen Oper Berlin uraufgefĂźhrt wurde. In Neuruppin wurden sogar ein Verteilerkasten und ein Trafohäuschen am Bahnhof Neuruppin Rheinsberger Tor mit Fontane-Motiven gestaltet, an einem dortigen Vordach wurden Fontane-SprĂźche aufgehängt.cite-ref-168[168]
Stoffbearbeitungen
Verfilmungen
⢠1937 â Ball im Metropol (nach Irrungen, Wirrungen), Regie: Frank Wisbar
⢠1939 â Der Schritt vom Wege (nach Effi Briest), Regie: Gustaf GrĂźndgens
⢠1945 â Das alte Lied (nach Stine & Irrungen, Wirrungen), Regie: Fritz Peter Buch
⢠1945 â Der stumme Gast (nach Unterm Birnbaum), Regie: Harald Braun
⢠1945 â Mathilde MĂśhring, Regie: Rolf Hansen
⢠1951 â Corinna Schmidt (nach Frau Jenny Treibel), Regie: Arthur Pohl
⢠1955 â Rosen im Herbst (nach Effi Briest), Regie: Rudolf Jugert (mit Ruth Leuwerik als Effi Briest)
⢠1963 â Unterm Birnbaum, Regie: Gerhard Klingenberg
⢠1964 â Unterm Birnbaum, Regie: Mark Lawton
⢠1966 â Die Geschichte des Rittmeisters Schach von Wuthenow (nach Schach von Wuthenow), Regie: Hans Dieter Schwarze
⢠1966 â Irrungen, Wirrungen, Regie: Rudolf Noelte
⢠1967 â Stine, Regie: Wilm ten Haaf
⢠1968 â Unwiederbringlich, Regie: Falk Harnack (mit Lothar Blumhagen, Hans Timmermann und Lil Dagover)
⢠1968 â Mathilde MĂśhring, Fernsehfilm, Regie: Claus Peter Witt (s/w)
⢠1970 â Effi Briest (mit Angelica DomrĂśse als Effi Briest)
⢠1972 â Frau Jenny Treibel, Regie: Herbert Ballmann
⢠1973 â Unterm Birnbaum (mit Angelica DomrĂśse als Ursula Hradschek)
⢠1974 â Fontane Effi Briest, Regie: Rainer Werner Fassbinder (mit Hanna Schygulla als Effi Briest)
⢠1975 â Frau Jenny Treibel (mit Gisela May als Jenny Treibel)
⢠1977 â CĂŠcile, Regie: Dagmar Damek
⢠1977 â Grete Minde (mit Katerina Jacob als Grete Minde sowie Hans Christian Blech, Hannelore Elsner und Siemen RĂźhaak)
⢠1977 â Schach von Wuthenow, Regie: Richard Engel
⢠1979 â Stine (Fernsehfilm), Regie: Thomas Langhoff
⢠1979 â Gefangen in Frankreich: Theodor Fontane im Krieg 1870/71 (nach Der Krieg gegen Frankreich 1870â1871), Regie: Theo Mezger
⢠1981 â Frau Jenny Treibel (mit Maria Schell als Jenny Treibel)
⢠1982 â Melanie van der Straaten, Regie: Thomas Langhoff
⢠1983 â Mathilde MĂśhring, Fernsehfilm, Regie: Karin Hercher
⢠1984 â Die Poggenpuhls (Fernsehfilm), Regie: Karin Hercher
⢠1984 â Vor dem Sturm, sechsteilige NDR-Fernsehfilmserie, Regie: Franz Peter Wirth (mit Rolf Becker und Daniel LßÜnd)cite-ref-169[169]
⢠1985 â Franziska (nach Graf PetĂśfy), Regie: Christa MĂźhl
⢠1986 â Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Regie: Eberhard Itzenplitz (mit Klaus Schwarzkopf als Erzähler)
⢠1991 â Spiel mit dem Feuer (nach LâAdultera), Regie: Dagmar Damek
⢠1998 â HerztĂśne. Theodor Fontane und die Frauen in seinen Romanen, Fernsehfilm, Buch und Regie: Vera Botterbusch
⢠2016 â Oderland. Fontane, Regie: Bernhard Sallmann (mit Judica Albrecht als Erzählerin)
⢠2017 â Rhinland. Fontane, Regie: Bernhard Sallmann (mit Judica Albrecht als Erzählerin)
⢠2018 â Spreeland. Fontane, Regie: Bernhard Sallmann (mit Judica Albrecht als Erzählerin)
⢠2019 â Havelland. Fontane, Regie: Bernhard Sallmann (mit Judica Albrecht als Erzählerin)
⢠2019 â Unterm Birnbaum, Regie: Uli Edel (mit Fritz Karl als Abel und Julia Koschitz als Ursel)
HĂśrspiele (Auswahl)
⢠Effi Briest, HÜrspielbearbeitung: Gerda Corbett, Regie: Heinz-Gßnter Stamm, 81 Minuten, BR 1949
⢠Unterm Birnbaum, HÜrspielbearbeitung: Kurd E. Heyne, Regie: Wolfgang Spier, mit RenÊ Deltgen, 92 Minuten, NWDR 1952
⢠Irrungen, Wirrungen, HÜrspielbearbeitung: Simon Glas, Margit Wagner, Regie: Friedrich-Carl Kobbe, mit Christa Berndl, 83 Minuten, BR 1955
⢠Unwiederbringlich, HÜrspielbearbeitung: Anneliese Falck unter dem Pseudonym Palma, Regie: Ulrich Lauterbach, 73 Minuten, hr 1957
⢠Unterm Birnbaum, HÜrspielbearbeitung: Gßnter Eich, Regie: Fritz SchrÜder-Jahn, mit Heinz Klevenow, 69 Minuten, BR/NDR 1961
⢠Schach von Wuthenow, HÜrspielbearbeitung: Dieter Meichsner, Regie: Curt Goetz-Pflug, mit Carl Raddatz, 85 Minuten, SFB/HR/RB 1963
⢠Mathilde MÜhring, HÜrspielbearbeitung und Regie: Rudolf Noelte, 135 Minuten, BR/SWF 1965
⢠Unwiederbringlich, HÜrspielbearbeitung: Carl Dietrich Carls, Regie: Heinz Wilhelm Schwarz, mit Albert Lieven, Kurt Lieck u. a. 268 Minuten, WDR 1965
⢠Effi Briest, HÜrspielbearbeitung und Regie: Rudolf Noelte, mit Cordula Trantow, Martin Held u. a. 299 Minuten, SFB/BR/HR 1974
⢠CÊcile, HÜrspielbearbeitung und Regie: Hermann Wenninger, mit Ruth Leuwerik, RenÊ Deltgen, Klaus Maria Brandauer u. a., 145 Minuten, NDR 1975
⢠Unterm Birnbaum, Regie: Thomas KÜhler, 103 Minuten, SWF 1981
⢠Unwiederbringlich, Regie: Gert Westphal, 184 Minuten, BR/NDR 1983
⢠Jenny Treibel, Bearbeiter: Walter Jens, Regie: Hans Rosenhauer, mit Maria KÜrber, Gerhard Garbers, 151 Minuten, NDR 1985
⢠Frau Jenny Treibel oder Wo sich Herz zum Herzen find't, Bearbeitung: Claus Hammel, Regie: Werner Grunow, mit Elsa Grube-Deister, Erik S. Klein, Rundfunk der DDR 1987
⢠Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, Regie: Uwe Storjohann, mit Wolf-Dietrich Berg, Manfred Steffen, Jan Hofer u. a. 53 Minuten, NDR 1998
Literarische Bezugnahmen
Friedrich Christian Delius nahm Theodor Fontanes Ballade Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland als Hintergrund seiner 1991 erschienenen Erzählung Die Birnen von Ribbeck. Ausgangspunkt der Handlung ist, wenige Monate nach dem Ende des DDR-Systems, die Pflanzung eines Birnbaums im Garten des Schlosses Ribbeck durch eine Gruppe West-Berliner im Rahmen eines Festes mit den Bewohnern vor Ort. Dabei gibt ein zunehmend alkoholisierter Einheimischer in einem langen Monolog seine Deutung der Ribbecker Geschichte und integriert in seine Interpretationen immer wieder Balladen-Zitate.
GĂźnter Grass bezog sich in seinem 1995 publizierten Roman Ein weites Feld auf Theodor Fontane, dem er in der Figur des Fonty zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung einen späten Wiedergänger in Gestalt des Theo Wuttke, genannt Fonty, folgen lieĂ. Die VerknĂźpfung Fontys mit Fontane nutzte Grass zur Entfaltung zahlreicher Aspekte der deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts in eigener Lesart â bis hin zum Wirken der Treuhandanstalt in den Jahren 1990/91. Mit dem Titel Ein weites Feld griff Grass eine Redewendung in Fontanes Roman Effi Briest auf, der mit den Worten von Effis Vater schlieĂt: âdas ist ein zu weites Feld.â
Literatur
Bibliographie
⢠Wolfgang Rasch: Theodor Fontane Bibliographie. Werk und Forschung. 3 Bände. In Verbindung mit der Humboldt-Universität und des Theodor-Fontane-Archivs Potsdam herausgegeben von Ernst Osterkamp und Hanna Delf von Wolzogen. De Gruyter, Berlin/New York 2006, ISBN 3-11-018456-7 (Inhaltsabriss).
⢠Wolfgang Rasch: Theodor Fontane Bibliographie online. Auf der Grundlage der Theodor Fontane Bibliographie (3 Bde., Berlin, 2006) hrsg. vom Theodor-Fontane-Archiv. Potsdam 2019ff. (Aktualisierte und ergänzte Fassung der Druckausgabe.) (Online-Ausgabe).
Biographien und Chroniken
⢠Roland Berbig: Theodor Fontane Chronik. 5 Bände de Gruyter, Berlin/New York 2010. ISBN 978-3-11-018910-0.
⢠Iwan-Michelangelo D'Aprile: Fontane. Ein Jahrhundert in Bewegung. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2018, ISBN 978-3-498-00099-8.
⢠Regina Dieterle: Theodor Fontane. Hanser, Mßnchen 2018, ISBN 978-3-446-26144-0.
⢠Christian Grawe: Fontane-Chronik. Reclam, Stuttgart 1998. ISBN 3-15-009721-5.
⢠Ernst Heilbom (Hrsg.): Das Fontane-Buch. Beiträge zu seiner Charakteristik. UnverĂśffentlichtes aus seinem NachlaĂ. Das Tagebuch aus seinen letzten Lebensjahren. Berlin 1919.
⢠Hans-Heinrich Reuter: Fontane. 2 Bände. Verlag der Nation, Berlin 1968, ISBN 3-373-00492-6.
⢠GĂźnther RĂźther: Theodor Fontane: Aufklärer â Kritiker â Schriftsteller. Weimarer Verlagsgesellschaft in der Verlagshaus RĂśmerweg GmbH, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-7374-0274-3.
⢠Hans-Dieter Rutsch: Der Wanderer. Das Leben des Theodor Fontane. Rowohlt, Berlin 2018, ISBN 978-3-7371-0026-7.
⢠Edda Ziegler, Gotthard Erler: Theodor Fontane. Lebensraum und Phantasiewelt. Eine Biographie. Aufbau-Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-351-03198-X. (Mit 123 schwarzweiĂen und 44 farbigen Abbildungen. Bildauswahl unter Mitarbeit von Hans Hellmis)
⢠Hans Dieter Zimmermann: Theodor Fontane. Der Romancier PreuĂens. C. H. Beck, MĂźnchen 2019, ISBN 978-3-406-73437-3.
HandbĂźcher
⢠Christian Grawe u. Helmuth Nßrnberger (Hrsg.): Fontane-Handbuch. KrÜner, Stuttgart 2000, ISBN 3-520-83201-1.
⢠Rolf Parr, Gabriele Radecke, Peer Trilcke u. Julia Bertschik: Theodor Fontane Handbuch. De Gruyter, Berlin 2023, ISBN 978-3-11-054538-8.
Studien
⢠Fontane aus heutiger Sicht. Analysen und Interpretationen seines Werks. Herausgeber Hugo Aust. Mßnchen 1980.
⢠Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Theodor Fontane. Edition Text + Kritik, Mßnchen 1989, ISBN 3-88377-318-2.
⢠Kenneth Attwood: Fontane und das PreuĂentum. Baltica Verlag, 2000, ISBN 3-934097-08-1.
⢠Hugo Aust: Theodor Fontane. Ein Studienbuch. Francke, Tßbingen/Basel 1998, ISBN 3-8252-1988-7.
⢠Gordon A. Craig: Ăber Fontane. C. H. Beck, MĂźnchen 1997.
⢠Christian Grawe: Fßhrer durch Fontanes Romane: Ein Lexikon der Personen, Schauplätze und Kunstwerke. Reclam, Stuttgart 1996.
⢠Richard Moritz Meyer: Fontane, Theodor. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 48, Duncker & Humblot, Leipzig 1904, S. 617â624.
⢠Helmuth NĂźrnberger, Dietmar Storch: Fontane-Lexikon. Namen â Stoffe â Zeitgeschichte. MĂźnchen 2007, ISBN 978-3-446-20841-4.
⢠Bettina Plett (Hrsg.): Theodor Fontane. In: Neue Wege der Forschung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-534-18647-1.
⢠Kurt Schreinert: Fontane, Theodor. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 5. Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 289â293 (deutsche-biographie.de).
⢠Hanna Delf von Wolzogen, Helmuth NĂźrnberger (Hrsg.): Theodor Fontane. Am Ende des Jahrhunderts. Internat. Symposium des Theodor-Fontane-Archivs zum 100. Todestag Theodor Fontanes. 13.â17. Sept. 1998 in Potsdam. KĂśnigshausen & Neumann, WĂźrzburg 2000.
⢠Band I: Der PreuĂe. Die Juden. Das Nationale. ISBN 3-8260-1795-1.
⢠Band II: Sprache. Ich. Roman. Frau. ISBN 3-8260-1796-X.
⢠Band III: Geschichte. Vergessen. GroĂstadt. Moderne. ISBN 3-8260-1797-8.
Periodika
⢠Fontane Blätter. Halbjahresschrift, begrßndet 1965. Im Auftrag des Theodor-Fontane-Archivs und der Theodor Fontane Gesellschaft e. V. hrsg. [seit 1965 wechselnde Hrsg.] ISSN 0015-6175
HĂśrbĂźcher (Auswahl)
⢠Irrungen und Wirrungen (ungekßrzte Lesung), gelesen von Gert Westphal, 5 CDs, Deutsche Grammophon, ISBN 978-3-8291-1354-0.
⢠Effi Briest (ungekßrzte Lesung), gelesen von Gert Westphal, 8 CDs, Deutsche Grammophon, ISBN 978-3-8291-1316-8.
⢠Der Stechlin (ungekßrzte Lesung), gelesen von Gert Westphal, 11 CDs, Deutsche Grammophon, ISBN 978-3-8291-1355-7.
⢠Mathilde MÜhring (ungekßrzte Lesung), gelesen von Susanne Schroeder, 3 CDs, Verlag Naxos, ISBN 978-3-89816-143-5.
⢠Meine Kinderjahre, Von zwanzig bis dreiĂig, gelesen von Kurt BĂśwe, ORB 1992/1993, 11 CDs, Verlag Das Neue Berlin, ISBN 3-360-01010-8.
⢠Briefe des Alterns, gelesen von Kurt BÜwe, Regie: Jßrgen Schmidt, MC, Verlag Das Neue Berlin 1997, ISBN 3-360-01009-4.
⢠Schach von Wuthenow, gelesen von Otto Mellies, 4 CDs, Verlag Brilliant Books.
⢠Grete Minde (ungekßrzte Lesung), gelesen von Kurt BÜwe, Regie: Veronika Hßbner, 240 Min., mp3-CD, MDR 1995/Der Audio Verlag 2015, ISBN 978-3-86231-558-1.
Weblinks
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: Theodor Fontane
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â Zitate
⢠Leben und Werke von Theodor Fontane, www.xlibris.de
⢠Fontanes Wanderungen
⢠FONTANE ONLINE
⢠Digitale Edition der Notizbßcher Fontanes
⢠Theodor Fontane Figurenlexikon
⢠Antisemitismus bei Theodor Fontane 8.06 Minuten Audio-Version, von Kirsten Serup Bilfeldt, Deutschlandfunk 22. Dezember 2023
Institutionen
⢠Theodor Fontane Gesellschaft
⢠Theodor-Fontane-Archiv in Potsdam
⢠Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Universität GÜttingen
Werke
⢠Literatur von und ßber Theodor Fontane im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Literatur ßber Theodor Fontane in der Landesbibliographie MV
⢠Werke von Theodor Fontane bei Zeno.org.
⢠Werke von und ßber Theodor Fontane in der Deutschen Digitalen Bibliothek
⢠Werke von Theodor Fontane im Projekt Gutenberg-DE
⢠Werke von Theodor Fontane im Project Gutenberg
⢠âDie Poggenpuhlsâ, âEffi Briestâ und âUnterm Birnbaumâ im DigBib.Org-Projekt
⢠âMeine Kinderjahreâ (1894)
⢠âGedichteâ (1851)
⢠âUnsere lyrische und epische Poesie seit 1848â (1853)
Anmerkungen
cite-note-11. â D'Aprile 2018, S. 38â40.
cite-note-22. â D'Aprile 2018, S. 41.
cite-note-33. â Meine Kinderjahre, Patmos 2003, S. 16.
cite-note-44. â Meine Kinderjahre, Patmos 2003, S. 5.
cite-note-55. â Dieterle 2018, S. 59 f.
cite-note-66. â D'Aprile 2018, S. 48â50.
cite-note-77. â Meine Kinderjahre, Patmos 2003, S. 168 f.
cite-note-88. â Meine Kinderjahre, Patmos 2003, S. 155.
cite-note-99. â Meine Kinderjahre, Patmos 2003, S. 135 f.
cite-note-1010. â Meine Kinderjahre, Patmos 2003, S. 142â145.
cite-note-1111. â Mit dieser AufnahmeprĂźfung und Hinweisen auf seine mitgebrachten Kenntnisse, Ăźber die er nicht weit hinausgelangt sei (Meine Kinderjahre, Patmos 2003, S. 206), beendet Fontane seine frĂźhen autobiographischen Aufzeichnungen.
cite-note-1212. â Dieterle 2018, S. 103 f.
cite-note-1313. â RĂźther 2019, S. 9.
cite-note-1414. â Dieterle 2018, S. 113â115.
cite-note-1515. â Dieterle 2018, S. 123.
cite-note-1616. â Dieterle 2018, S. 140â145.
cite-note-171. Text des Empfehlungsschreibens: âMeinem Sohne Theodor, Heinrich Fontane, geboren in Neu-Ruppin, stelle ich hiermit gern und pflichtgemäà dies Zeugnis darĂźber aus: daĂ er während des Zeitraums vom 1ten Januar bis 1ten July 1845 - der Receptur in meiner Apotheke mit Eifer und Geschicklichkeit vorgestanden hat. Mehr zu seinem Lobe zu sagen, was ich wohl kĂśnnte und mĂśchte, verbietet mir meine Stellung als Vater dieses jungen Mannes. Weshalb denn ich das unterlaĂe, und damit ende, ihm das beste GlĂźck in seiner neuen Stellung recht aufrichtig zu wĂźnschen. Letschin den 2ten July 1845. L. Fontane, Besitzer der hiesigen Apotheke.â
cite-note-1818. â Dieterle 2018, S. 166 f., S. 180â189; D'Aprile 2018, S. 111 f.
cite-note-1919. â Theodor Fontane Chronik von Roland Berbig Verlag De Gruyter 2010 (ISBN 978-3-11-018910-0, e-ISBN 978-3-11-021560-1) S. 74
cite-note-2020. â Dieterle 2018, S. 189â191.
cite-note-2121. â RĂźther 2019, S. 18 f.
cite-note-2222. â RĂźther 2019, S. 22â24.
cite-note-2323. â D'Aprile 2018, S. 89 f.
cite-note-2424. â Zitiert nach Theodor Fontane. Von Zwanzig bis DreiĂig. Autobiographisches. Eingeleitet und herausgegeben von Christfried Coler, 2. Aufl., Leipzig 1968, S. 83.
cite-note-2525. â D'Aprile 2018, S. 126.
cite-note-2626. â Zitiert nach Theodor Fontane. Von Zwanzig bis DreiĂig. Autobiographisches. Eingeleitet und herausgegeben von Christfried Coler, 2. Aufl., Leipzig 1968, S. 163.
cite-note-2727. â D'Aprile 2018, S. 144â147.
cite-note-2828. â Zitiert nach Ziegler, Erler 1996, S. 47.
cite-note-2929. â D'Aprile 2018, S. 133.
cite-note-3030. â Zitiert nach Theodor Fontane. Von Zwanzig bis DreiĂig. Autobiographisches. Eingeleitet und herausgegeben von Christfried Coler, 2. Aufl., Leipzig 1968, S. 378.
cite-note-3131. â Zimmermann 2019, S. 101.
cite-note-3232. â âIn der Tatâ bemerkt Zimmerman dazu, âobwohl er doch bei den Franz-Grenadieren das SchieĂen gelernt hatte, hatte er sein verrostetes Gewehr dermaĂen mit Pulver gefĂźllt, dass es, wenn er es zĂźnden sollte und wenn es denn auch gezĂźndet hätte, nur fĂźr ihn und seine Umgebung gefährlich gewesen wäre. Es wäre wohl explodiert.â (Zimmermann 2019, S. 102).
cite-note-3333. â Zitiert nach Theodor Fontane. Von Zwanzig bis DreiĂig. Autobiographisches. Eingeleitet und herausgegeben von Christfried Coler, 2. Aufl., Leipzig 1968, S. 379â381.
cite-note-3434. â Zitiert nach D'Aprile 2018, S. 141.
cite-note-3535. â Dieterle 2018, S. 278.
cite-note-3636. â Zitiert nach Theodor Fontane. Von Zwanzig bis DreiĂig. Autobiographisches. Eingeleitet und herausgegeben von Christfried Coler, 2. Aufl., Leipzig 1968, S. 427.
cite-note-3737. â Zitiert nach Ziegler, Erler 1996, S. 36 f.
cite-note-3838. â RĂźther 2019, S. 58 f.
cite-note-3939. â Zitiert nach D'Aprile 2018, S. 163.
cite-note-4040. â D'Aprile 2018, S. 68. Schriftsteller- und Apotheker liefen als Alternativen laut D'Aprile noch einige Jahre nebeneinanderher. Erst ab 1855 habe die Schriftstellerexistenz ein einigermaĂen gesichertes Einkommen abgeworfen. (Ebenda)
cite-note-4141. â Zitiert nach D'Aprile 2018, S. 174 f. âNeben dieser Brotarbeit schreibt Fontane fĂźr deutsche und englische Zeitungen in einem breiten journalistischen Spektrum wie Cottas Morgenblatt fĂźr gebildete Stände, das Literaturblatt des Deutschen Kunstblatts, die Vossische Zeitung, die Times, den Herold und den Londoner Morning Chronicle, wobei die Grenze zwischen Auftragsarbeiten des Presseagenten und eigenständigen Texten flieĂend ist.â (Ziegler, Erler 1996, S. 83)
cite-note-4242. â RĂźther 2019, S. 75â80.
cite-note-4343. â RĂźther 2019, S. 81â86.
cite-note-4444. â Aus seinen Reiseerfahrungen ergab sich: âAber die Fremde tut noch mehr. Sie lehrt uns nicht bloĂ sehen, sie lehrt auch richtig sehen. Sie gibt uns auch das MaĂ fĂźr die Dinge. Und dies ist, kĂźnstlerisch genommen, fast noch wichtiger, als daĂ sie uns die Dinge Ăźberhaupt erschlieĂt. Sie leiht uns die Fähigkeit, GroĂ und Klein zu unterscheiden und bewahrt uns vor jenem ebenso ridikĂźlen wie anstĂśĂigen Lokalpatriotismus, der den Sieg der MĂźggelberge Ăźber das Finsteraarhorn proklamiert.â (Fontane, Willibald Alexis, 1872. Zitiert nach Ziegler, Erler 1996, S. 128)
cite-note-4545. â RĂźther 2019, S. 87â90.
cite-note-4646. â Zitiert nach Zimmermann 2019, S. 195.
cite-note-4747. â D'Aprile 2018, S. 240â242.
cite-note-4848. â Dieterle 2018, S. 434 f.
cite-note-4949. â Craig 1997, S. 70.
cite-note-5050. â D'Aprile 2018, S. 257.
cite-note-5151. â D'Aprile 2018, S. 265 f.
cite-note-5252. â Craig 1997, S. 100â102.
cite-note-5353. â Zitiert nach Craig 1997, S. 106.
cite-note-5454. â Dieterle 2018, S. 517â521.
cite-note-5555. â D'Aprile 2018, S. 269â279.
cite-note-5656. â Dieterle 2018, S. 508â513.
cite-note-5757. â D'Aprile 2018, S. 299â305.
cite-note-5858. â Zitiert nach Craig 1997, S. 157.
cite-note-5959. â In Fontanes Kritik zur Premiere des Lustspiels Der Leibarzt von Leopold GĂźnther spielte beispielsweise der wacklige BĂźhnentisch, auf dem bereits eine Weinflasche umgefallen war, eine tragende Rolle: âAls nun gar noch auf ebendiesen Tisch eine groĂe verschleierte Lampe gesetzt wurde, war es ernstlich um meine Ruhe geschehen, denn ich erwartete, den Wackeltisch â der zum ĂberfluĂ auch noch eine jener langen Tischdecken hatte, die bekanntlich nur dazu da sind, um Unheil anzurichten â jeden Augenblick zum Schauplatz einer Katastrophe werden zu sehen.â Zwei weitere derartige Lampen, auf kleinen Tischen platziert, warfen fĂźr den Kritiker die Frage auf, ob nun wohl die Feuerwehr anrĂźcken mĂźsse. Die prinzipielle Regelung dieser Frage, âdie Beschlussfassung darĂźber, ob Lampen auf solchen Tischen und an so exponierter Stelle gesetzt werden dĂźrfen, ist viel wichtiger als der ganze âLeibarztâ und meine Kritik darĂźber.â (Zitiert nach Ziegler, Erler 1996, S. 101 f.)
cite-note-6060. â D'Aprile 2018, S. 306.
cite-note-6161. â In seinem an den Akademiepräsidenten Friedrich Hitzig gerichteten KĂźndigungsschreiben hieĂ es: âEs dient sich schlecht mit sechsundfĂźnfzig unter einem jugendlichen Herrn von zweiunddreiĂig.â (Dieterle 2018, S. 365)
cite-note-6262. â D'Aprile 2018, S. 282â294. Von der Annahme seiner KĂźndigung erfuhr Fontane jedoch erst im August 1876, und bis zur formellen Entlassung am 31. Oktober musste er das Amt noch ausĂźben. (Dieterle 2018, S. 567)
cite-note-6363. â Zitiert nach Ziegler, Erler 1996, S. 79.
cite-note-6464. â D'Aprile 2018, S. 315; Zitat ebenda, S. 332.
cite-note-6565. â RĂźther 2019, S. 133, bemerkt: âFontane entwirft fĂźr sein Alterswerk keine in sich schlĂźssige Romankonzeption. Aber er äuĂert sich an verschiedener Stelle dazu, was der moderne Roman leisten soll.â
cite-note-6666. â Zitiert nach D'Aprile 2018, S. 314.
cite-note-6767. â Zitiert nach Ziegler, Erler 1996, S. 238.
cite-note-6868. â Zitiert nach Craig 1997, S. 253.
cite-note-6969. â D'Aprile 2018, S. 353 f.
cite-note-7070. â Ziegler, Erler 1996, S. 126.
cite-note-7171. â D'Aprile 2018, S. 362 f.
cite-note-7272. â Ziegler, Erler 1996, S. 14.
cite-note-7373. â Craig 1997, S. 229 f., mit Verweis auf Peter Demetz: Formen des Realismus. Theodor Fontane. MĂźnchen 1964.
cite-note-7474. â Craig 1997, S. 229.
cite-note-7575. â Zitiert nach Ziegler, Erler 1996, S. 249.
cite-note-7676. â Zitiert nach Dieterle 2018, S. 649.
cite-note-7777. â D'Aprile 2018, S. 315 f.
cite-note-7878. â D'Aprile 2018, S. 337 und 376â384.
cite-note-7979. â D'Aprile 2018, S. 8 f.
cite-note-8080. â Der Vorabdruck von Unwiederbringlich in der Deutschen Rundschau trug Fontane 6300 Mark ein, die Hälfte dessen, was ihm fĂźr Quitt in der Gartenlaube gezahlt wurde, aber das Vierfache der Buchausgabe von Unwiederbringlich. (Ziegler, Erler 1996, S. 164)
cite-note-8181. â D'Aprile 2018, S. 339 und 342â344. âSo konnten die Leserinnen der Vossischen Zeitung am Samstag, dem 6. August 1887, Kapitel 12 von Irrungen Wirrungen lesen, das mit der Liebesnacht der beiden Hauptfiguren Lene Nimptsch und Botho von Rienacker in Hankels Ablage schlieĂt (âUnd sie schmiegte sich an ihn und blickte, während sie die Augen schloĂ, mit einem Ausdruck hĂśchsten GlĂźckes zu ihm aufâ), um dann am Morgen des folgenden Sonntags mit den beiden Protagonisten und Kapitel 13 den Tag zu beginnen: âBeide waren frĂźh auf.ââ (ebenda, S. 344)
cite-note-8282. â D'Aprile 2018, S. 20â30.
cite-note-8383. â Dieterle 2018, S. 644 und 679.
cite-note-8484. â D'Aprile 2018, S. 338 und 368.
cite-note-8585. â Das jeweilige Erscheinungsdatum zeugt laut RĂźther nur eingeschränkt von der Werkentstehungszeit. Oft sei Fontane von einem zum anderen Manuskript gesprungen und habe nach längerer Pause die Arbeit an einem Stoff wieder aufgenommen. (RĂźther 2019, S. 135)
cite-note-8686. â D'Aprile 2018, S. 340.
cite-note-8787. â Zitiert nach Ziegler, Erler 1996, S. 211. Bei Ziegler und Erler findet sich auch eine eingehende Deutung der komplementären Stärke-Schwäche-Beziehungen zwischen Frauen und Männern in den Fontane-Romanen. (Kapitel âMythus und Psychologie: Fontanes Frauenbilderâ, S. 218â237)
cite-note-8888. â Craig 1997, S. 249. Edda Ziegler und Gotthard Erler erläutern: âScheidung, das Schicksal nicht nur Effi Briests, sondern auch Melanie van der Straatens aus LâAdultera und Christine Holks aus Unwiederbringlich, ist im PreuĂen der zweiten Jahrhunderthälfte mehr als zu Jahrhundertbeginn ein Skandal. Scheidung entrechtet Frauen vollends und läĂt ihre Ungleichbehandlung kraĂ zutage treten. Allein Gefahr fĂźr Leib und Leben berechtigt die Frau, ihren Mann zu verlassen. Begehen beide Ehebruch, so kann nur der Mann Anzeige erstatten. Das StrafmaĂ fĂźr die Frau ist doppelt so hoch wie das fĂźr den Mann. In jedem Fall verliert sie Kinder und VermĂśgen; eine Wiederheirat ist ihr in der Regel verboten. Und doch ist das Scheidungsrecht noch humaner als seine gesellschaftliche Handhabung. Effi Briest ist diejenige unter Fontanes Frauenfiguren, die dies am drastischsten erfahren muĂ.â (Ziegler, Erler 1996, S. 214)
cite-note-8989. â RĂźther 2019, S. 133 und 140.
cite-note-9090. â Zitiert nach Craig 1997, S. 251.
cite-note-9191. â Zitiert nach Zimmermann 2019, S. 379 f. und S. 7.
cite-note-9292. â Zitiert nach Zimmermann 2019, S. 380.
cite-note-9393. â Zimmermann 2019, S. 381.
cite-note-9494. â Zitiert nach Zimmermann 2019, S. 383 f. und 385 f.
cite-note-952. H. 37,3 cm, B. 28,1 cm, T., 16,7 cm. Foto: Erwin Schreyer.
cite-note-963. Museumsverband des Landes Brandenburg e.V. Potsdam (Hrsg.): Verlustsache: Märkische Sammlungen. Recherche und Rekonstruktion von Kriegsverlusten märkischer Museen 1940-1950.
cite-note-9797. â Zimmermann 2019, S. 381.
cite-note-9898. â Fontanes Jahresverdienst in den 1890er Jahren lag insgesamt um rund ein Drittel hĂśher als der eines Berliner Beamtenhaushalts mit drei Kindern. (Ziegler, Erler 1996, S. 170)
cite-note-9999. â Zudem erschien nun monatlich die Zeitschrift Freie BĂźhne fĂźr modernes Leben. Fontanes brieflicher Kommentar: âIch verfolge all diese Erscheinungen mit dem grĂśĂten Interesse und finde die Jugend hat Recht. Das Ăberlieferte ist vollkommen schal und abgestanden [âŚ]â (Zitiert nach Dieterle 2018, S. 633)
cite-note-100100. â D'Aprile 2018, S. 396â399; Dieterle 2018, S. 623â627.
cite-note-101101. â Dieterle 2018, S. 635â640.
cite-note-102102. â D'Aprile 2018, S. 409.
cite-note-103103. â Zitiert nach Ziegler, Erler 1996, S. 255 f.
cite-note-104104. â Zitiert nach Dieterle 2018, S. 593.
cite-note-105105. â Zitiert nach Zimmermann 2019, S. 392; Friedländers Antwortbriefe sind nicht Ăźberliefert.
cite-note-106106. â Zitiert nach RĂźther 2019, S. 162. Der Adressat, Reformpädagoge Paulsen, propagierte laut DâAprile seinerzeit Ăśffentlich den akademischen Antisemitismus. (DâAprile 2018, S. 462)
cite-note-107107. â D'Aprile 2018, S. 442â451; Dieterle 2018, S. 591â595.
cite-note-108108. â Dieterle 2018, S. 684.
cite-note-109109. â Zitiert nach Ziegler, Erler 1996, S. 255 f., nebst dem Hinweis, dass Fontanes Replik an die beiden letzten Stechlin-Romanteile âSonnenuntergangâ und âVerweile dochâ anknĂźpfte.
cite-note-110110. â Zitiert nach Dieterle 2018, S. 687.
cite-note-111111. â Mutter Emilie war zumindest mit dem Verlobungszeitpunkt nicht einverstanden und blieb der Feier fern, indem sie ihren Besuch bei einer Freundin verlängerte. (Ziegler, Erler 1996, S. 204)
cite-note-112112. â Dieterle 2018, S. 690 und 692.
cite-note-114114. â Zitiert nach Zimmermann 2019, S. 415 f.
cite-note-115115. â ErfĂźllt worden ist dem Verstorbenen damit ein alter Wunsch: âWie sein Sohn George elf Jahre zuvor, so hat man auch Fontane an einem bunten Herbsttag zu Grabe getragen.â (Ziegler, Erler 1996, S. 264)
cite-note-116116. â berlin-visavis.de: Gedenkstätte fĂźr Fontane, abgerufen am 5. April 2022
cite-note-117117. â Zitiert nach Dieterle 2018, S. 585 f.
cite-note-118118. â Zitiert nach D'Aprile 2018, S. 366 f.
cite-note-119119. â Zitiert nach Dieterle 2018, S. 687 f.
cite-note-120120. â D'Aprile 2018, S. 393; Zitat ebenda, S. 452.
cite-note-121121. â Zitiert nach Zimmermann 2019, S. 9.
cite-note-122122. â Craig 1997, S. 253.
cite-note-123123. â Michael Fleischer: âKommen Sie, Cohn.â Fontane und die Judenfrage. Michael Fleischer Verlag Berlin 1998, ISBN 3-00-002553-7. â Vgl. dazu auch die Rezension des Bandes von Hans Otto Horch in Fontane Blätter. Potsdam. Heft 67, 1999, S. 135â141.
cite-note-124124. â Wolfgang Benz: Antisemitismus als ZeitstrĂśmung. In: Hanna Delf von Wolzogen, Helmuth NĂźrnberger (Hrsg.): Theodor Fontane. Am Ende des Jahrhunderts. KĂśnigshausen & Neumann, WĂźrzburg 2000, S. 167.
cite-note-125125. â RĂźther 2019, S. 171.
cite-note-126126. â D'Aprile 2018, S. 12â15.
cite-note-127127. â Dieterle 2018, S. 694.
cite-note-128128. â Ziegler, Erler 1996, S. 270 f.
cite-note-129129. â Ziegler, Erler 1996, S. 271.
cite-note-130130. â Eine testamentarische Bestimmung oder ein Schenkungsvertrag existieren nicht; gleichwohl hatte Emilie Fontane jedoch offensichtlich âzeitweise daran gedacht [âŚ] die fraglichen SchriftstĂźcke in die einstweilige Verwahrung des Märkischen Museums zu gebenâ, wie sie es gegenĂźber ihrer Tochter Martha formulierte und in einem Gespräch mit Paul Schlenther noch einmal bekräftigt hatte. (Bettina Machner: Potsdamer StraĂe 134c. Der DichternachlaĂ. In: Fontane und sein Jahrhundert. Hrsg. von der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Berlin 1998, S. 251â260, hier S. 254. Machner zitiert aus den Originalbriefen Martha Fritsch-Fontanes an Paul Schlenther, 2. März 1902, und Paul Schlenthers an Martha Fritsch-Fontane, 4. März 1902.)
cite-note-131131. â JĂśrg Kuhn: Gedenkzimmer im Märkischen Museum. In: Reiner GĂźntzer (Hrsg.): Jahrbuch 1996 Stiftung Stadtmuseum Berlin (Bd. II). Gebr. Mann Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-7861-2255-5, S. 196â225, zum Fontane-Zimmer S. 198â204.
cite-note-132132. â Sammlung zur Literaturgeschichte. Abgerufen am 6. Februar 2022.
cite-note-133133. â Eine eingehende kritische Auseinandersetzung mit dem Agieren Friedrich Fontanes in der Zeit des Nationalsozialismus findet sich bei Iwan-Michelangelo D'Aprile, der darlegt, wie dieser letzte Ăźberlebende Sohn seinen Vater passend fĂźr das NS-Regime präsentierte. (D'Aprile 2018, S. 460â466)
cite-note-134134. â Bestände und Sammlungen. Abgerufen am 6. Februar 2022.
cite-note-135135. â Kalliope | Verbundkatalog fĂźr Archiv- und archivähnliche Bestände und nationales Nachweisinstrument fĂźr Nachlässe und Autographen. Abgerufen am 6. Februar 2022.
cite-note-136136. â Find - DLA Marbach. Abgerufen am 6. Februar 2022.
cite-note-137137. â vgl. das online-Beständeverzeichnis Deutsche Dichterhandschriften des deutschen Realismus und die Zusammenstellung auf der Website der Theodor Fontane-Arbeitsstelle
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cite-note-157157. â Die historische Theodor-Fontane-Apotheke fhxb-museum.de
cite-note-158158. â Siehe die Wort-Bild-Marke mit dem Text Fontanestadt Neuruppin auf der Homepage der Stadt.
cite-note-159159. â âVerleihungen der Fontane-Plakette seit 1911â, auf geschichte-brandenburg.de
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